Lyonel Feininger – Paul Klee. Malerfreunde am Bauhaus
Erstmals seit gemeinsamen Präsentationen zu ihren Lebzeiten werden die Werke der Bauhaus-Meister Lyonel Feininger und Paul Klee in einer Ausstellung gegenübergestellt. Vom 22. Februar bis 24. Mai 2009 zeigt nun das Gustav-Lübcke-Museum in Hamm mehr als achtzig Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und weitere Exponate dieser bedeutenden Künstler des frühen 20. Jahrhunderts, die während ihrer Tätigkeit am Bauhaus in Weimar und Dessau entstanden.
Als Leihgeber standen namhafte nationale und internationale Institutionen wie private Sammlungen Pate. Für Idee und Konzept der Ausstellung zeichnet die Kunsthistorikerin und Klee-Expertin Dr. Uta Gerlach-Laxner aus Köln verantwortlich. Mit dieser Schau möchte das Gustav-Lübcke-Museum an den Erfolg vorangegangener Ausstellungen zur Klassischen Moderne wie „Paul Klee – Reisen in den Süden“ und „Johannes Itten – Wassily Kandinsky – Paul Klee. Das Bauhaus und die Esoterik“ anknüpfen. Im Anschluss wird die in Kooperation mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg entstandene Ausstellung vom 18. Juni bis 6. September 2009 ebendort gezeigt.Die Schau „Lyonel Feininger – Paul Klee. Malerfreunde am Bauhaus“ fokussiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Künstlerpersönlichkeiten, die rund ein Jahrzehnt zeitgleich am Bauhaus wirkten. Lyonel Feininger (1871-1956) leitete seit 1919 als Formmeister die Druckereiwerkstatt in Weimar. Eine explizite Lehrtätigkeit nahm er dabei nicht wahr. Demgegenüber machte sich Paul Klee (1879-1940), der zu Beginn der 1920er Jahre an das Bauhaus kam, vor allem als Lehrer einen Namen. Kenntnis über das jeweilige Schaffen des anderen müssen die Künstler bereits vorher erlangt haben. Schließlich waren beide mit ihren Werken auf der großen von Herwarth Walden 1913 in der Berliner Galerie „Der Sturm“ organisierten Ausstellung „Erster Deutscher Herbstsalon“ vertreten. Feininger zeigte sich schon in diesem Zusammenhang sehr angetan von Klees Zeichnungen. Klee hingegen äußerte sich nicht über Feiningers künstlerisches Oeuvre. Generell tat er nicht häufig seine Meinung über Kollegen kund. Eine Ausnahme bildeten hier der befreundete Wassily Kandinsky, Emil Nolde sowie Pablo Picasso. Bereits vor ihrer Berufung an das Bauhaus hatten sowohl Feininger als auch Klee durch Beteiligung an Ausstellungen und eigene Präsentationen Anerkennung erzielt. Ihr Wirken in Weimar und Dessau bildete jedoch einen Höhepunkt in ihrem künstlerischen Wirken und steigerte ihren Bekanntheitsgrad. Gemeinsame Ausstellungen vertieften ihre Beziehung zueinander ebenso wie die Gründung der Gruppe „Die Blaue Vier“ im Jahr 1924, zu der auch Jawlensky und Kandinsky gehörten. Nach Auflösen des Bauhauses in Weimar bestand der enge Kontakt zwischen Klee und Feininger auch in Dessau weiter. Die gegenseitige Anerkennung dokumentierten auch Bildgeschenke – ein procedere, das seinerzeit unter Malerkollegen durchaus üblich war. Mit den Bildern reagierten Feininger und Klee jeweils auf Technik und Motivvorlieben des Empfängers.
Wenngleich die Begegnung der Maler keine direkte wechselseitige Beeinflussung hervorrief, so gab sie dennoch Anregungen und Anlass für künstlerische Berührungspunkte. Bei allen Gemeinsamkeiten im Hinblick auf den Bezug zur Gegenstandswelt und eine gewisse formale Verbundenheit, verfügen Feininger und Klee jeweils über einen unverwechselbaren eigenständigen Stil. Auf der Grundlage gleicher künstlerischer Vorläufer entwickelten sie eine eigene visuelle Sprache. Während sich Feininger vor allem mit Kubismus und Futurismus auseinandersetzte, bezog Klee darüber hinaus auch Impulse von Cézanne und van Gogh. Robert Delaunays Gedanken zur Gestaltung von Licht und der Bedeutung von Farbe als Bewegungselement im Bild spielten für Feininger wie auch für Klee eine wichtige Rolle.
Während der Bauhaus-Zeit fand sowohl bei Feininger als auch bei Klee eine Festigung und Ausdifferenzierung des bildnerischen Konzepts, das sich um die Pole Farbe, Licht und Form bewegte, statt. Lyonel Feininger ging in seinen Arbeiten von seiner eigenen optischen Wahrnehmung, seinen persönlichen Impressionen aus, die er in seinen Werken verdichtete. Dabei blieb in seinem bildnerischen Schaffen der Gegenstand stets existent. Feininger verfolgte kein rein ästhetisches Ziel, sondern ihm ging es um die Visualisierung innerer Erfahrungen, Gefühle und abstrakter Ideen. Indem er sich anstelle der Form nun verstärkt der Farbe zuwandte und aus sich überlagernden Farbfeldern flächige Strukturen schuf, begann Feininger in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre im Hinblick auf die Bildsprache neue Prioritäten zu setzen. Er legte seinen Schwerpunkt auf einfache grafische Kompositionen. Damit vollzog er zugleich einen Wechsel von der Bewegung zur gleichsam meditativen Ruhe im Bild. Das zeigt insbesondere „Stiller Tag am Meer II“ aus dem Jahre 1927. Kristalline Klarheit und kühle Transparenz vermittelt „Düne am Abend“ (1927). Licht und Schatten maß Feininger gleich bleibend einen symbolischen Stellenwert bei.

Lyonel Feininger, Düne am Abend, 1927, Öl auf Leinwand, LWL - Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Münster
Feininger konzentrierte sich auf ein begrenztes Motivspektrum. So bannte er in seiner Bauhaus-Zeit vor allem Architektur und Meeresszenerien ins Bild. Segelschiffe und –boote faszinierten ihn ebenso wie Dorflandschaften und Stadtansichten mit Kirchenbauten. Die Bezugnahme auf reale architektonische Vorbilder belegen Werke wie „Ober-Weimar“ (1920), „Lüneburg IV“ (1923) oder „Gelmeroda“ (1927). Klees Sujetwahl war im Vergleich breiter gefächert. Ihm bot die ganze Vielfalt der Schöpfung Inspiration. Einen besonderen Einfluss auf die Tätigkeit beider Künstler hatte die Musik mit ihren Formvorstellungen. Beide teilten ihre musikalische Leidenschaft und spielten zusammen Geige. Feininger hat darüber hinaus selbst komponiert.
Das Konzept der Ausstellung folgt motivischen Gesichtspunkten. Die Kategorien Figur, Architektur und Marine geben die Ordnung der Werke vor. Dabei wird auf die Einzelwirkung jedes Werkes Wert gelegt und auf Bildreihungen verzichtet.
Zu der sehenswerten Ausstellung, die übrigens auch Spielzeug von Feininger präsentiert, ist ein gleichnamiger Katalog erschienen. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Kinderaktionen, Vorträgen und Konzerten ergänzt die Präsentation.
















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