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Dass dieser Mai nie ende: Gallery Weekend Berlin

26. April 2009 [ Kein Kommentar ]

Wie in jedem Jahr, so findet auch 2009 wieder das Gallery Weekend Berlin statt. Zahlreiche renommierte Galerien eröffnen zu diesem Anlass zeitgleich ihre neuen Ausstellungen und bieten die Möglichkeit, diese am ersten Wochenende im Mai über die üblichen Öffnungszeiten hinaus zu besuchen. (kdk)

Bei über vierzig am Gallery Weekend Berlin teilnehmenden Galerien ist es leider nicht möglich, im Rahmen dieses Beitrags alle Ausstellungen hier vorzustellen. Ich kann jedoch versichern: es lohnt sich, wirklich alle zu besuchen. Und da einige der Teilnehmer im Galerienhaus in der Lindenstraße oder in unmittelbarer Nachbarschaft zu finden sind, sollte es bei einem so wunderbaren Event ein Leichtes sein, dass jeder Kunstinteressierte den Weg zu allen findet.

Da ausnahmslos alle Ausstellungen von hoher Qualität sind, habe ich versucht, eine möglichst breit gestreute Auswahl vorzunehmen. Ich empfehle dem geneigten Besucher, sich einen klugen Plan für die drei viel versprechenden Kunstereignistage zum Gallery Weekend in Berlin machen.

ftc. fiedler taubert contemporary


Die Galerie ftc. zeigt unter dem Titel „Post Utopias“ die ersten Fotos der neuen Werkgruppe „Halong“ sowie ein gerade fertig gestelltes BluRay Video mit dem Titel „Thinking Hanoi“ des in Spanien geborenen Foto- und Videokünstler Dionisio González. Der Künstler knüpft mit diesen neuen Arbeiten an frühere Fotoserien an, die in den Favelas von Sao Paulo ihren Ursprung hatten und die den harten Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung lebenswertere Utopien einer gedachten Zukunft zu entgegnen versuchte.

Dioniso González, Halong III, 2009

Dioniso González, Halong III, 2009

González fügt zwei sehr unterschiedliche Orte – die pittoreske Halong Bucht, unesco Weltkulturerbe und beliebter Touristenort, und die Armenviertel der Boat People auf dem Wasser – zu einer auf den ersten Blick ganz selbstverständlich aussehenden neuen Landschaft zusammen. Erst bei genauerem Hinschauen offenbaren sich die verschiedenen Details, die Auskunft geben über die tatsächliche Herkunft der im Vordergrund liegenden Boote. Nach und nach erkennt man dann auch die utopischen Architekturen, die er für diesen Erdteil am Rechner entworfen hat und welche jetzt als Boote das Wasser bevölkern.

Alle Fotos bestechen unabhängig von ihrer individuellen Größe mit einem extremen Cinemascope-Format und animieren dazu, den Blick schweifen zu lassen.

Galerie Thomas Schulte


Die Galerie Thomas Schulte präsentiert ihre erste Einzelausstellung von Iñigo Manglano-Ovalle, in deren Zentrum die Installation „Dirty Bomb“ und das Video „Juggernaut“ stehen.

Galerie Thomas Schulte, Berlin, Donald Young Gallery, Chicago

Iñigo Manglano-Ovalle, Dirty Bomb, 2008, Painted fibreglass and aluminium, sand and steel weights, chain and hoist, mud, 325 x 157,5 x 157,5 cm, Courtesy: Galerie Thomas Schulte, Berlin, Donald Young Gallery, Chicago

„Dirty Bomb“ ist die maßstabsgetreue Wiedergabe von Fat Man, der zweiten Atombombe der Geschichte, mit der die Amerikaner 1945 Nagasaki zerstörten. Anders als das Original präsentiert sich die Nachbildung in perlweiß glänzendem Autolack und zugleich mit Schlamm besudelt. Wie ein mit Dreck beworfener schicker Sportwagen seine edle Ausstrahlung einbüßt, verliert die Bombe beinahe ihre Bedrohlichkeit.

Iñigo Manglano-Ovalle wurde 1961 in Madrid geboren, er lebt und arbeitet in Chicago. Er ist weltweit in Museen vertreten u.a. im Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, im Solomon R. Guggenheim Museum und im Whitney Museum of American Art, New York, in der Library of Congress, Washington DC, in der Fundación La Ciaxa, Barcelona, wie in der Fundación Cicneros, Caracas.

Peres Projects


Terence KOH, Boy by the Sea 2008, Performance Still, Courtesy Peres Projects, Berlin & Los Angeles

Terence KOH, Boy by the Sea 2008, Performance Still, Courtesy Peres Projects, Berlin & Los Angeles

Javier Peres stellt zum ersten Mal in Berlin Terence Koh’s Arbeit „Boy by the Sea“ aus. Diese Skulptur wurde ursprünglich 2008 in der Yokohama Triennale als Teil einer in situ Performance gezeigt. Im Dunkeln, flankiert von zwei jungen Männern in Lendenschurzen, leitete Terence Koh – von Kopf bis Fuß mit weißer Farbe bedeckt und ebenfalls in einem lendenschurzähnlichen Gewand gekleidet – mehrere Jungen, welche die Holzskulptur trugen, in einer Art Prozession zum Meeresufer, wo sie die Skulptur auf einem Sockel ablegten. Koh kletterte daraufhin auf den Sockel, band die Ohren der Skulptur mit einem von seinem Lendenschurz hängenden Seil zusammen und kletterte anschließend auf einen zweiten Sockel. Dort band er das andere Ende des Seils mehrere Male um seinen Kopf und schuf so eine Art Brücke zwischen seinem Körper und dem kleineren, perlenbedeckten Alter Ego. Die Jungen liefen dann unter dieser Seilbrücke her und warfen einer nach dem anderen eine Perle ins Meer.

WENTRUP


Gregor Hildebrandt (GH/M 234), Gedanken über Malen, 2009, dispersion on cardboard, plastic in wooden case, 194 x 135.20 x 12 cm / 76 1/3 x 53 1/4 x 4 3/4 in

Gregor Hildebrandt (GH/M 234), Gedanken über Malen, 2009, dispersion on cardboard, plastic in wooden case, 194 x 135.20 x 12 cm / 76 1/3 x 53 1/4 x 4 3/4 in

Die Galerie WENTRUP begrüßt ihre Gäste zur dritten Einzelausstellung von Gregor Hildebrandt unter dem Titel „Dass dieser Mai nie ende“. Der Titel – eine Zeile aus Konstantin Wecker‘s Lied „Nur dafür lasst uns leben“ – verweist bereits auf das Grundthema und die Stimmung der Ausstellung. Steht der Maianfang für die Vorfreude auf den Sommer, so ist das Einläuten des Wochenendes am Freitagabend – dem Tag der Vernissage – sein Pendant.

Kennzeichnend für das Werk von Gregor Hildebrandt ist die Verwendung von Kassettenton- bzw. Videoband. Seine Werke erscheinen als komplexe Montagen bildlicher Assoziationen mit direkten Verweisen in die Musik, den Film und die Literatur. Ohne ästhetisch-theoretische Barrieren bedient sich Hildebrandt des Materials seiner Alltagswirklichkeit und verschränkt dabei spielerisch Aspekte der Konzeptkunst und Minimalart mit persönlichem Leben und Erleben von Popkultur.

Das Hauptwerk der Ausstellung bildet ein monumentaler Kassettensetzkasten, welcher mit unzähligen leeren Hüllen und Booklets bereits in anderen Bildern verarbeiteter Tonbänder bestückt ist. Ein massives Archiv und Zeugnis des bisherigen Schaffens, dessen Schwere jedoch von einer malerischen Geste gebrochen wird und das Werk zum wandfüllenden Panoramabild werden lässt.

ScheiblerMitte


Stefan Löffelhardt – ein Landschaftsmaler, der keine klassischen Malutensilien wie Pinsel und Leinwand verwendet – verwandelt den gesamten Ausstellungsraum von ScheiblerMitte mit Folien, Holz, Glas, Alltagsgegenständen oder Pflanzen in eine bizarre begehbare Landschaftsutopie, in die er den Besucher als Staffagefigur aktiv einbezieht. Die demokratische Gleichgewichtung, die in der Negation der Gegenüberstellung von Betrachter und Werk liegt, sowie seine dezentralistischen Kompositionsstrukturen versteht der Künstler inhaltlich auch als „Sinnbild für einen herrschaftsfreien Diskurs“.

Stefan Löffelhardt, Installationsansicht Tal Grund, Galerie im Taxispalais, Innsbruck, 2009

Abbildung: Stefan Löffelhardt, Installationsansicht Tal Grund, Galerie im Taxispalais, Innsbruck, 2009

Dies zeigt, dass der Landschaftsbegriff Löffelhardts „[...] im Sinne einer Ideen- und Seelenlandschaft [...]“ weiter gefasst ist. Die kunsthistorischen Referenzen auf die sich Stefan Löffelhardts Werke beziehen, sind die weiten Landschaften des niederländischen Barocks, wie man sie bei Jacob van Ruisdael findet, die gestaffelten Himmelsräume des Tiepolo oder die Berge und Einöden der Romantik. Diese epochalen Bezüge lassen sich auch in seinen fotografischen Arbeiten wieder finden, die seine ungewöhnlichen Landschaftsinstallationen ergänzen und medial transferieren.

Galerie Barbara Thumm


Martin Dammann, Soldier Studies (Weißer Rock, White Skirt),2007, Light-Jet print auf Aludibond, Aluminium Rahmen, Edition 3 + 2 AP, 76,8 x 52,8 cm

Martin Dammann, Soldier Studies (Weißer Rock, White Skirt),2007, Light-Jet print auf Aludibond, Aluminium Rahmen, Edition 3 + 2 AP, 76,8 x 52,8 cm

Die Galerie Barbara Thumm präsentiert anlässlich des Gallery Weekend an beiden ihrer Standorte Arbeiten von Martin Dammann, und zwar Aquarelle und Zeichnungen in der Markgrafenstraße sowie erstmalig die komplette Fotoserie „Soldier Studies“ in der Dircksenstraße. Alle gezeigten Arbeiten basieren auf privaten Fotos, die zumeist aus Fotoalben von Soldaten stammen. Die Aquarelle und Zeichnungen bilden keine Serie, sondern sind einzelne, für sich stehende Bilder. Jedes von ihnen ist autonom und seiner jeweils speziellen Logik folgend entwickelt.

An dieser viel versprechenden Gegenüberstellung in den beiden Galerieräumen lässt sich exemplarisch die Differenz von Dammanns Fotoarbeiten zu seiner Malerei ablesen. Man stelle sich diese Fotos gemalt vor: Unnötig, vielleicht sogar unmöglich. Der dokumentarische Charakter der Fotos ist hier entscheidend. Anders herum sind die Fotovorlagen, die Dammann für seine Malerei und Zeichnungen auswählt, als reine Fotografien zumeist banal. Es sind einfache, unspektakulär erscheinende Motive, die erst in der malerischen Wiederholung zeigen was in ihnen steckt. Oder in sie gesteckt wurde, wobei es Sache des Betrachters ist zu entscheiden, inwieweit er darin die Interpretationen des Künstlers sehen möchte oder den dem Moment innewohnenden Gehalt der Szene, die sich vor dem Fotoapparat abgespielt hat, als der Auslöser gedrückt wurde.

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Autor/in: Klaus-Dieter Knoll Quelle: gallery-weekend-berlin.de Abo: RSS-Feed | Mehr...


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