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Die Weiskircher Prunkgräber – Keltische Kulturgeschichte im Herzen Europas

8. Mai 2009 [ Kein Kommentar ]

Weiskirchen/Saarland. – Am 03. Mai wurde im Haus des Gastes in Weiskirchen eine Dauerausstellung eröffnet, deren Exponate als ein Schlüssel zur Frühgeschichte Zentraleuropas betrachtet werden können: Funde aus drei keltischen Grabhügeln zu Weiskirchen, die aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. datieren.

Goldener Reif

Goldener Reif

Als 1830, 1851 und 1866 diese Großgrabhügel entdeckt wurden, standen sie im Fokus eines ganz neuen Interesses. Altertumsvereine gründeten sich, die fremde Völker und Kulturen nicht mehr lediglich als Spiegel des eigenen Seins verstanden, so Dr. Hans Nortmann des Rheinischen Landesmuseums Trier. Vielmehr stand nun die Wahrnehmung und Akzeptanz des Anderen in seiner Fremdheit im Vordergrund. Die unbekannte Kultur wurde in ihrer Eigenständigkeit und damit als Quelle eines ursprünglichen, neuen Wissens erfasst. Und so konnte beispielsweise die Gesellschaft für nützliche Forschung, welche die Gräber I und III exhumierte, frühkeltische, wertvolle Goldobjekte, Prunkwaffen, Importgefäße und Trachtzubehör für die nun eröffnete Ausstellung und die Forschung verfügbar machen.

Tatsächlich ist die Weiskircher Ausstellung die erste, in der die Repliken der Funde in ihrer Gesamtheit zu sehen sind. Die Originale, die sich im Rheinischen Landesmuseum Trier befinden, sind die häufigsten Leihgaben zur keltischen Geschichte und zeugen damit von der Prominenz des Fundortes.

Goldzierscheibe

Goldzierscheibe

Die Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Die abgebildete Goldzierscheibe aus dem Hügel I etwa wartet mit Besonderheiten auf, die weit über das Kerngebiet der keltischen Siedlungen zwischen Ostfrankreich und Westböhmen hinausweisen: Mittelitalische Bildmotive, wie beispielsweise die Pflanzen, erfahren eine keltische Umdeutung und gewinnen damit Symbolbedeutung für die Kelten. Ein Hinweis auf die inhaltliche Auseinandersetzung der Kelten mit dem Fremden, dem Neuen, das künstlerisch Eingang findet in die eigene Kultur und diese damit in ihrer Aussagekraft erweitert.

Und somit deuten die Funde vor allem auf einen Entwicklungssprung der Kelten um 400 v. Chr. hin, wie Dr. Nortmann betont. Die Wanderungen in den fremden Raum der Mittelmeerkulturen und der damit einhergehende Handel hatten eine Blütezeit für die Kelten zur Folge, die gleichzeitig für den Süden, also etwa Norditalien und Rom, zur Bedrohung wurde. Die keltischen Stämme wurden zur kulturell bestimmenden Macht in NW-Europa, die ihren Einfluss zunehmend auch Richtung Norden, auf die Germanen ausweitete.

Weiskirchen und seine nun präsentierten Funde bietet damit die Grundlage für intensive Studien, die ein weitläufiges Kulturgefüge sichtbar werden lassen.

Die Ausstellung möchte weit mehr sein, als eine Präsentation von datierbaren Objekten, die lediglich Faktenwissen vermitteln würde. Sie sieht sich in der Verantwortung, Geschichte erlebbar und in ihrer Nachhaltigkeit den regionalen wie auch überregionalen Bezug greifbar zu machen für den Einzelnen.

Unterstützt wurde sie bei der Eröffnung durch den Freundeskreis Keltischer Ringwall Otzenhausen – Verein zur Förderung der Archäologie im Hochwald e.V., der die keltischen Handwerkskünste für die Besucher lebendig werden ließ und mit umfangreichem Wissen auf jede neugierige Frage zu antworten wusste.

Den stimmungsvollen Rahmen gestalteten der Vocal Express sowie die Künstlerin Sarina Collura. Mit keltischen Tänzen und Liedern schuf der Chor unter der Leitung von Christa Kaspar-Hort eine kraftvolle Atmosphäre, die eine ebenso spürbare Verbindung zu unseren keltischen Ahnen herstellte, wie die archetypischen Bildmotive von Sarina Collura.

Die Ausstellung im Haus des Gastes lädt zu einer besonderen Begegnung ein. Der Besucher erhält Einblicke in die eigene Kulturgeschichte, deren inspirierende Quelle ein weitverzweigtes Geflecht aus Heimat und Fremdheit ist.

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Autor/in: Annika Hand Abo: RSS-Feed | Mehr...




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