Art goes Web 2.0: 1. InterNetzWerkSchau in Berlin
Das Internet wird immer mehr zur Plattform für Informationen, Meinungsaustausch und Kontaktaufbau. Das sogenannte Web 2.0 eröffnet ganz neue Möglichkeiten der grenzenlosen Vernetzung – auch und gerade für Kunst und Künstler: In zahlreichen Online-Communities können sie sich und ihre Arbeiten präsentieren, sich mit Gleichgesinnten austauschen und ein internationales Publikum erreichen, wie dies auf den klassischen Kunst-Vermittlungswegen bisher nicht möglich war. Die Welt der Kunst – nur einen Klick entfernt. Obgleich anfänglich oft belächelt ist die virtuelle Szene mittlerweile aus der Kunstwelt nicht mehr wegzudenken.
Dennoch: allen Vorteilen der Online-Welt zum Trotz hat das virtuelle Kunst-Erleben ein großes Manko – am Bildschirm fehlt die Materialität der Kunstwerke. Die sinnliche Wahrnehmung von Farben, Formen und Strukturen, die bei der Begegnung mit und der Bewertung von Kunst eine elementare Rolle spielt, ist online nicht möglich. Das Erleben der Kunstwerke reduziert sich für den Betrachter auf ein zweidimensionales Pixel-Abbild in Bildschirmgröße, das allenfalls herangezoomt, aber nicht haptisch erfasst werden kann.
Diese Kluft zwischen virtueller Entgrenzung der Kunstszene bei gleichzeitiger Reduktion des Kunst-Erlebens auf digitale Ansichten will das Ausstellungsprojekt „download 100” überbrücken: Das Experiment „InterNetzWerkSchau” wagt den Sprung vom WWW in den realen Ausstellungsraum. 100 Künstlerinnen und Künstler und ihre Arbeiten, die sich im Netz zusammengefunden haben, treffen im Juni zum ersten Mal zu einer gemeinsamen Ausstellung in Berlin aufeinander. Was bislang nur per Mausklick am Bildschirm aufgerufen werden konnte, wird jetzt in der Realität nebeneinander zu sehen sein.
Jeder Künstler zeigt seine Arbeiten, die in Sankt-Petersburger-Hängung platzsparend in der Hetzer-Halle in Berlin-Charlottenburg präsentiert werden – dies mag zwar für die individuelle Kontemplation weniger geschickt erscheinen, ist aber letztlich eine Präsentationsweise, wie sie aus den Internetplattformen bekannt ist: In kleinen Thumbnail-Files werden dem Besucher der Webseiten Bildvorschauen geboten. Bleibt der Blick an einer dieser Vorschauen hängen, kann der Betrachter nach Wunsch eine großformatige Ansicht aufrufen.
Ebenso soll es in der Ausstellung sein: In der Fülle der gezeigten Kunstwerke kann der Besucher seinen Blick kursorisch schweifen lassen, vor den Arbeiten, die ihn interessieren, verweilen und sich später im CD-Begleitkatalog genauer über Künstler und Werk informieren.
Wie in Internetforen werden verschiedenste Positionen nebeneinander gehängt und gestellt, die nicht durch den Eingriff eines Moderators bzw. Kurators sortiert werden. Ohne Berührungsängste und ohne auf gängige Auswahl- und Ausschlusskriterien der Kunstszene zu achten, treffen Arbeiten unterschiedlichster Entwicklungsstufen aufeinander. Die Werke einer zeichnenden Hausfrau hängen neben denen eines akademischen Künstlers, die des etablierten Professionisten neben denen des engagierten Freizeitmalers, die des Kunststudenten neben denen des aquarellierenden Pensionärs. Der Besucher hat so die Möglichkeit, sich auf eine Entdeckungsreise durch die Vielfalt an künstlerischen Disziplinen, Stilen und Techniken, durch Malerei, Grafik, Fotografie, Skulptur und neue Medien zu begeben. Aus diesem Grund verzichtet „download 100″ auch darauf, in den öffentlichen Mitteilungen Künstler exemplarisch herauszugreifen und vorzustellen, da bewusst keine vorgreifende Wertung der teilnehmenden Künstler vorgenommen werden soll.
Ein Großteil der ausgestellten Arbeiten wird auch käuflich zu erwerben sein.
Wenig überraschend, dass hinter dem groß angelegten Ausstellungsexperiment ein beachtlicher organisatorischer Aufwand steckt. Entstanden auf Initiative von Karin Rindler wurde „download 100″ von einem kleinen Team um Barbara Rapp, Sabina Ringfort und Rindler, alle drei selbst Künstlerinnen, in rund achtmonatiger intensiver Vorbereitungszeit auf die Beine gestellt. Als Projekt von Künstlern für Künstler tragen die Beteiligten die Organisation weitgehend selbst; die Unterstützung privater Sponsoren sowie insbesondere das großzügige Engagement von Heidi Hetzer, Autohaus Hetzer Berlin-Charlottenburg, helfen darüber hinaus bei der Realisierung der ersten „InterNetzWerkSchau”.
Nach der Premiere des Ausstellungsprojekts in Berlin wird die zweite „download 100 InterNetzWerkSchau” im Oktober 2009 im österreichischen Villach stattfinden. Weitere Orte und Termine für das kommende Jahr sind bereits in Planung.



















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