53. Biennale in Venedig – Im Labyrinth der Sinne
“Um das Schönste zu finden, muss man erst einmal verloren gehen”, sagen die Einwohner Venedigs selbst über ihre Stadt. Keine andere ist wohl so legendär, märchenhaft, faszinierend und zwiespältig wie die Lagunenstadt an der adriatischen Küste Italiens. Ein Ort geschaffen für die Kunst. Und so ist es gewiss kein Zufall, dass hier seit über 100 Jahren im Zweijahrestakt eine der wichtigsten Großausstellungen der Gegenwartskunst stattfindet.

Venedig, malerisch bei Tag © Flickr **Maurice**
Ein Tatbestand, den die Macher der diesjährigen Biennale, allen voran ihr Direktor Daniel Birnbaum, intensiver denn je gestaltet und wohl auch so von Anfang an wahrgenommen haben. Was wurde sie nicht belächelt, die letzte Biennale? Sie war zu einem regelrechten Museum verkommen. Gemälde verstaubten an Wänden und der Besucher davor gleich mit.
Doch in diesem Jahr ist alles anders. “Fare Mondi / Welten machen” heißt das Motto und das ist durchaus wortwörtlich gemeint, denn die meisten Künstler haben diesen Aufruf dankend angenommen und sich auf eine kleine Entdeckungsreise begeben, auf die die Besucher im Grunde einfach mitkommen können. Fast jedes Kunstwerk erzählt dieses Jahr eine Geschichte, in die man eintauchen kann und das mit dem ganzen Körper.
Räume wurden geschaffen, die einen verschlucken, die einem neue Eindrücke vermitteln, die einen Zeit und auch Orientierung vergessen lassen. So wie die Installation “White Cube” des diesjährigen Preisträgers des Goldenen Löwen, Tobias Rehberger. Er hat die Cafeteria des ASAC Pavillons durch Zebramuster, Neonfarben und gefaltete und gebrochene Spiegel in einen Trompe-l‘œil-Raum verwandelt. Man fühlt sich sofort von den optischen Trugbildern angezogen, man hat das Gefühl, der Raum löst sich unter den Füßen auf, und Möbel scheinen so mit der Umgebung zu verschmelzen, dass man sich zunächst nicht sicher ist, ob man sich nun setzen kann oder nicht.

Venedig, malerisch bei Nacht © Flickr/alainf1
Sind viele Pavillons dieses Jahr besonders stark, so wirken die Länderpavillons fast alle einfallslos und langweilig. Hier tummeln sich wohl eher die entsprechende High Society und die Geschäftswelt des Kunstmarkts als die Kunst selbst. Eine der wenigen Ausnahmen sind die skandinavischen Pavillons, die sich zu einer großen Geschichte zusammengetan haben: Sie erzählen von verkäuflichen Immobilien, in denen das vorherige Leben ihrer Besitzer noch präsent ist. Die obligatorische (künstliche) Leiche im Pool darf natürlich nicht fehlen.
Ja, Welten wurden dieses Jahr wirklich geschaffen und man muss sich einfach auf sie einlassen, sich verlieren in den unzähligen Tiefen des künstlerischen Raums. Das kann man noch bis zum 22.11.09 in ganz Venedig tun. Ein Trip, der sich dieses Jahr nicht nur für Kenner und Händler lohnt. Eine Biennale, die endlich mal wieder Maßstäbe setzt.
Mehr Infos gibts u. a. auf der offiziellen Homepage der Biennale.



















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