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intermedia 69: Fluxus-Festival in Heidelberg 1969

17. Juni 2009 [ Kein Kommentar ]

Der Heidelberger Kunstverein zeigt „INTERMEDIA 69 | 2009. Rückblick auf eine öffentliche Geste”: Eine Dokumentation und kritische Rekonstruktion des heute fast vergessenen Fluxus-Festivals intermedia 69, das 1969 von Klaus Staeck und Jochen Goetze in Heidelberg initiiert wurde (16.05.2009 – 23.08.2009).

intermedia 69: Ein Fluxus-Festival in Heidelberg 1969

Originalplakat "intermedia '69", Siebdruck, 1969, Archiv Klaus Staeck, Heidelberg

Originalplakat "intermedia '69", Siebdruck, 1969, Archiv Klaus Staeck, Heidelberg

Drei Tage lang war Heidelberg vor 40 Jahren in der Hand der zeitgenössischen Kunst. Über 5000 interessierte Zuschauer waren an den Neckar gekommen, wo sich 80 internationale Künstler trafen – die meisten zu jener Zeit noch unbekannt; heute jedoch liest sich die Teilnehmerliste wie ein „Who’s who” der Kunstszene jener Zeit: Joseph Beuys war eingeladen (sagte in letzter Minute aber ab), Daniel Spoerri, IMI Knoebel, Nam June Paik und Blinky Palermo, Reiner Ruthenbeck, Katharina Sieverding, Günther Uecker, Jochen Gerz, Sigmar Polke und Jan Dibbets, um nur einige Vertreter der illustren Auswahl zu nennen.

Ganz im revolutionären Geiste der späten 1960er Jahre organisierten Klaus Staeck, heute bekannt für seine “Edition Staeck” und 2006 zum Präsidenten der Berliner Akademie der Künste gewählt, und Jochen Goetze, lange Dozent im Historischen Seminar Heidelberg, das dreitägige Event als Reaktion auf eine geplante Veranstaltung des Heidelberger Kunstvereins, die als reaktionär und konservativ empfunden wurde: In der Jubiläumsausstellung “Plastik der Gegenwart” wurde der Begriff der Gegenwart, so Staeck, „nicht gerade gegenwartsnah interpretiert”. Mit der intermedia wollten sie einen alternativen Ausblick auf die Kunst der 1970er werfen.

Fast alle geladenen Künstler foglten dem Ruf nach Heidelberg, um an einem der letzten großen Fluxus-Ereignisse teilzunehmen. Aktionen, Happenings, Filmvorführungen und Performances wurden veranstaltet, von denen die Verhüllung des Heidelberger DAI (Deutsch-Amerikanisches Institut) besonders spektakulär war – durchgeführt von keinem geringeren als Verpackungskünstler Christo, allerdings ohne Jeanne-Claude.


Christo in Heidelberg

Christo und Jeanne Claude, Verpackung des Amerikahauses, Heidelberg 1969, Fotografie (Detail), (C) Jochen Goetze Archiv.

Christo und Jeanne Claude, Verpackung des Amerikahauses, Heidelberg 1969, Fotografie (Detail) © Jochen Goetze Archiv

Das Verpackungsprojekt, das bei Besuchern der Stadt noch heute immer wieder ungläubige Blicke und Erstaunen hervorruft,war eine der ersten Verpackungsperformances von Christo. In einer spektakulären und kurzfristigen 24-Stunden-Non-Stop-Aktion wurde das Gebäude eingepackt und blieb dies auch die ganzen drei Tage hindurch – trotz Protesten, Zündel-Aktionen und Abreiß-Versuchen. Vor allem Studenten protestierten gegen die „scheinbar linke, in Wirklichkeit aber unpolitische Kunst”.

Christo selbst kommt jedoch bis heute nur ungern auf sein unvollendetes Frühwerk zu sprechen”, in den offiziellen Werkverzeichnissen wird es nicht gelistet. Ein Grund könnte sein, dass Jeanne-Claude damals nicht in Heidelberg beteiligt war.


INTERMEDIA 69 | 2009 im Kunstverein Heidelberg

Christo und Jeanne Claude, Verpackung des Amerikahauses, Heidelberg 1969, Fotografie (Detail) © Jochen Goetze Archiv

Diese Ereignisse von 1969 zeichnet die Schau “INTERMEDIA 69 | 2009. Rückblick auf eine öffentliche Geste” nach, die zugleich auch eine große Ausstellung im Jubiläumsjahr des Heidelberger Kunstvereins ist – gefeiert wird das 140jährige Bestehen der Institution. Die Schau zu kuratieren war nicht einfach, da vieles nicht dokumentiert oder erhalten ist. Präsentiert werden Objekte, Briefe, Bilder, Filme und Editionsobjekte. Bei vielen Filmen allerdings ist gar nicht klar, ob sie 1969 wirklich gezeigt werden konnten – da rebellische Besucher keine Abgrenzung zwischen Künstlern, Organisatoren und Publikum akzeptieren wollten und unsachgemäß mit den teuren Vorführgeräten umgingen, mussten Staeck und Goetze das Filmprogramm am zweiten Tag abbrechen.

Auch die explosive Stimmung um das Festival lässt sich nicht ohne Weiteres einfangen. Für das Verständnis der Brisanz der intermedia 69 ist sie jedoch wesentlich. Um nicht schlicht historisches Archivmaterial aneinanderzureihen, wurde die akutelle Ausstellung in drei Bereiche aufgeteilt:

Ausstellungsansicht Halle INTERMEDIA 69 | 2009, (C) Heidelberger Kunstverein, 2009

Ausstellungsansicht Halle INTERMEDIA 69 | 2009 © Heidelberger Kunstverein, 2009

Historische Aufnahmen der Stadt im vorderen Ausstellungsbereich lassen die damalige Stimmung auf den Straßen lebendig werden, als das öffentliches Leben sehr ruhig und geordnet ablief. Auch Leihgaben aus den beiden Kunstvereinsausstellungen sind zu sehen, auf welche die Veranstalter der intermedia 69 reagierten. Im hinteren Ausstellungsbereich wird die studentische Protest-Reaktion auf das Kunstfestival dokumentiert.

Eingespannt in diese beiden Pole, die die öffentliche Stimmung in Heidelberg 1969 und die Reaktionen auf das Festival nachzeichnen, befindet sich die Rekonstruktion der intermedia mit Vitrinen, Bildwänden und Filmkabinen.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Gesprächen mit Zeitzeugen, Filmabenden und Vorträgen zu verschiedenen Themen.

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Autor/in: Simone Kraft Quelle: deconarch.wordpress.com | rzuser.uni-heidelberg.de Bilder: HDKV | Heidelberger Kunstverein Abo: RSS-Feed | Mehr...


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