Mannheimer Hector-Kunstpreis an Tobias Rehberger
Schon bevor er mit seiner “Cafeteria” in Venedig am Eröffnungswochenende der Biennale mit dem Goldenen Löwen als bester Künstler ausgezeichnet wurde, stand in Mannheim fest, dass Tobias Rehberger den neu etablierten Hector-Kunstpreis erhalten wird. Damit ist Rehberger der erste Preisträger dieser neu etablierten Auszeichnung, die seit diesem Jahr dem Hector-Förderpreis zur Seite gestellt wird.
Diesen vergeben die Kunsthalle Mannheim und H.W. & J. Hector-Stiftung seit 1997 alle drei Jahre an jüngere Künstler in Deutschland, die mit dreidimensionaler Kunst arbeiten. Dieses Jahr wird der 31-jährige Benjamin Appel mit dem 5. Förderpreis ausgezeichnet und folgt damit bisherigen Preisträgern wie Martin Schmidt und Florian Slotawa.
Während sich junge Künstler, die mit dreidimensionalen Kunstformen arbeiten, für den Förderpreis bewerben können, wird der neue Kunstpreis an ein konzeptionell ausformuliertes und bereits anerkanntes Werk verliehen. Für den 43-jährigen Rehberger, der als Professor an der Städelschule in Frankfurt unterrichtet und seit über einem Jahrzehnt mit seinem opulenten Werk aus konzeptuellen Objekten und Materialkonstellationen, Raum- und Lichtinstallationen und mit ortsbezogenem Architektur- und Innenraumdesign internationale Achtung erringt, hat sich die Jury entschieden, weil er „brisante Fragen der Gegenwartskultur nach dem Verhältnis von Kunst und Leben, Kunst und Konsum, aber auch nach der Beziehung von Erfindung und Rekonstruktion, Formsetzung und Handlungsofferte in komplexen Versuchsanordnungen neu interpretiert”, so das Jury-Statement.
Förderpreisträger Benjamin Appel, Absolvent der Staatlichen Akademie der Künste in Karlsruhe, hingegen überzeugte mit geometrisch ausbalancierten, skulpturalen Raummarkierungen aus „armen” Materialien wie Beton, Erde, Holz und Fensterglas. Seine präzisen Bekenntnisse zum Unspektakulären, Beiläufigen, Fragilen, in denen Formprinzipien der klassischen Moderne aufleuchten, versteht die Jury als einen originären Aufruf zum Nachdenken über Skulptur heute.
Dieses Jahr wird also erstmals im Doppelpack eine etablierte und eine junge zeitgenössische Position ausgezeichnet. Insgesamt sind die beiden Preise mit 40.000 Euro dotiert sowie mit Ankäufen für die Kunsthalle Mannheim verbunden. Mit der Erweiterung der Auszeichnung will die Kunsthalle Mannheim ihren Ruf als bedeutendes Skulpturenmuseum mit besonderem Schwerpunkt im zeitgenössischen Bereich noch weiter stärken.
Die Preisverleihung wird Ende des Jahres in der Kunsthalle Mannheim stattfinden. Sie wird begleitet von drei Parallelausstellungen, die Arbeiten der Preisträger sowie ausgewählte Kandidaten des Förderpreises präsentieren und so ein breites Spektrum experimenteller skulpturaler Ausdrucksweisen zeigen werden. Für die Gruppenausstellung 2009 wurden das Künstlerpaar Mustafa Kunt und Özlem Günyol sowie Sandra Kuhne, Regine Müller-Waldeck, Martin Pfeifle und Martin Wöhrl ausgewählt.




















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