ANYWAY Maud Piquion erobert Brunnenstraße
Mit einer bemerkenswerten Idee hat Maud Piquion eine neue Galerie für zeitgenössische Kunst in der Brunnenstraße eröffnet. Sie lud den Geist der traditionsreichen Galerienmeile in Berlins Mitte in die umgebauten Räume eines ehemaligen Telekommunikationsladens und zelebrierte mit ihm die Eröffnung ihrer neuen Galerie, die sich auf diese Weise nahtlos in die junge Kunstszene der Brunnenstraße einfügt.
Maud Piquion ist keine Unbekannte in Berlin. Die Tochter eines karibikstämmigen Vaters und einer französischen Mutter wuchs in Valenciennes, Strasbourg und Paris auf. In Karlsruhe absolvierte sie eine kaufmännische Ausbildung und studierte anschließend in Paris Kunstgeschichte und Schauspiel. In Berlin, wo sie seit 2004 lebt, trat sie unter anderem in den Sophiensälen mit dem Avantgarde Ensemble Lubricat auf.
In der Berliner Kunstszene wurde Maud Piquion durch ihre 2006 gegründete Friedrichshainer Galerie ANYWAY bekannt, mit der sie hauptsächlich französischen Künstlern eine Plattform bot. Dieses Programm erweitert sie nun um internationale Positionen und gibt der neuen Galerie ihren eigenen Namen MAUD PIQUION.
Unter dem Titel Vorspiel präsentierte die junge Französin ihre Lieblingspositionen aus anderen aktuellen und ehemaligen Galerien der Brunnenstraße. So entstanden in zwei Aufzügen außergewöhnliche Interaktionen zwischen den Künstlern, die sich zwar untereinander kennen, deren Werke jedoch noch nie so nah beieinander gezeigt wurden.

Kaj Aune - Paganini (Video), 2009
Im ersten Aufzug – vom 4. bis 13. Juni – präsentierte die Zusammenstellung der Arbeiten von Henry Krokatsis (Goff + Rosenthal), Berthold Reiß (Galerie Ben Kaufmann) sowie Jenny Michel und Micha Hoepfel (Galerie Gillian Morris) den spielerischen Umgang der Künstler mit Zeit, Kultur und Tradition. Der daraus entstehende ästhetische Dialog über Mystik und Wissenschaft schärfte den Blick des Betrachters für das aktuelle Zeitgeschehen und entfachte eine heilige Sehnsucht nach verlorenen Zeiten.
Im zweiten Aufzug – vom 16. bis 24. Juni – provozierten die beiden deutschen Künstler Lisa Junghanss (Martin Mertens) und Torsten Solin (Komet Galerie Berlin) eine allgemeine Verunsicherung mit ihren zwischen offensichtlichem Trauma und erotomanischen Reflektionen schwingenden Werken. Mit interpretationsoffenen Fragmenten zuvor filmisch dokumentierter Performances sowie inszenierten und durch digitale Bildbearbeitung verstärkten Fotoarbeiten hinterfragten sie die ambivalenten Gegensätze ihrer ganz eigenen Welt zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit.

Tra Bouscaren - Ressurection (Mixed Media), 2008
Schließlich präsentiert Maud Piquion ab 26. Juni 2009 in einer Gruppenausstellung zum ersten Mal ihre eigenen Künstler. Unter dem Titel Ressurection setzen sich Kaj Aune, Tra Bouscaren und Wolfgang Ganter mit den Lebenszyklen organischer Materialien auseinander und konfrontieren den Betrachter mit ursprünglichen Impulsen.
Die Arbeit von Kaj Aune erforscht die mystisch-dämonischen sowie genial-virtuosen Aspekte des Menschen. In seiner Videoinstallation lässt er das Wesen des brillanten und einzigartigen Geigers Paganini wieder aufleben und eröffnet so eine neue Perspektive auf bereits Vergangenes.

Wolfgang Ganter - Ascension, 2008, Polyester on c-print on wood, 150x100cm
Auch das Werk von Tra Bouscaren thematisiert die Vielschichtigkeit des Lebens in all seinen Formen und Ausprägungen. In seinem Reflektionsspektrum finden Animalität und Vitalität in den schillernden Farben des Seins und der farblosen Leere des Nicht-Seins ihren ursprünglichen Ausdruck.
Im Spannungsfeld dieser beiden Künstler befinden sich Wolfgang Ganters Fotografien, die das dialogische Zusammenspiel dieser Ausstellung komplettieren. Indem die ursprüngliche Bildrealität durch Hinzufügen verschiedenartiger Bakterien und Pilzkulturen eine neue Dimension erhält, wird den fertigen Arbeiten erneut Leben eingehaucht. So prallen organische und anorganische Welten aufeinander und vereinen sich zu einer zerfließenden Neukomposition, die einen viel komplexeren Realitätsbegriff mit immer neuen Inhaltsebenen schafft.
Die Ausstellung Ressurection ist bis einschließlich 7. August in der Galerie MAUD PIQUION zu sehen.

















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