Das Ringen um die Sanierung der East-Side Gallery geht weiter – Werden die Künstler abgezockt?
Aufgrund unseres Artikels über die laufende Sanierung der East Side Gallery in Berlin haben uns immer mehr Informationen von Seiten der “Künstlerinitiative East Side Gallery”, aber auch von der “Gründerinitiative East Side” erreicht.

East Side Gallery © Flickr / Tuftronic10000
Es scheint, als sei der Streit immer noch nicht beigelegt, es scheint, als wären auch die Künstler dieses Symbols der Einheit einmal mehr Opfer der Konsumspirale Kunstmarkt.
Vor 20 Jahren kamen sie zu dem historischen Ereignis des Mauerfalls nach Berlin und bemalten als Symbol für die Freiheit einen Abschnitt der Mauer im Bezirk Friedrichshain. Vor allem Idealismus trieb sie an. Keiner von ihnen hatte damit gerechnet, dass die Mauer länger als drei Monate stehen würde. Sie waren überzeugt, dass ihre Kunstwerke in kurzer Zeit ebenfalls Geschichte werden würden.
Doch wie das immer so geht, hatte die pfiffige Werbeagentur WUVA den Marktwert der Mauer ziemlich schnell erkannt. Die Künstler sollten fünfjährige Verwertungsverträge unterschreiben und bekamen dafür schlappe 500 DM zugesichert. Allein Anreise, Unterkunft und Materialien kosteten die Künstler, die alles aus eigener Tasche finanzierten, mehr. Die 500 DM bekamen sie am Ende natürlich nicht…
Jahrelang wurden ihre Kunstwerke vermarktet, ohne dass die Künstler jemals etwas davon hatten. Nun sollen sie wieder antreten und ihre Bilder komplett neu malen. Kommen sie nicht, wird ihr Bild eben getilgt. Wieder einmal sieht es so aus, als sollten sie um ihre Arbeit betrogen werden.

East Side Gallery, Birgit Kinder: "Test the Best" © Flickr / Tuftronic10000
Im Laufe der Jahre wurden Spendengelder gesammelt. Insgesamt 2.175.000.00 Euro… Eine Million davon wurde den Künstlern zugesichert. Klingt toll, doch die Realität sieht anders aus: 3.000 Euro soll jeder von ihnen bekommen. Doch was wird aus dem Rest?
16 Künstler haben sich nun zur “Gründerinitiative East Side” zusammengetan und fordern einfach nur das, was ihnen zusteht – handelt es sich hierbei schließlich um teils weltbekannte Kunstwerke. Immer mehr schließen sich dieser Initiative an.
Die “Künstlerinitiative East Side Gallery” auf der anderen Seite, die sich nach außen hin so rührend um den Erhalt und die Sanierung des gestalteten Mauerstreifens kümmert, schaltet, anstatt sich auf die Seite der Künstler zu stellen, auf Stur. Vorwürfe, sie würden die East Side Gallery zu einer Art Disneyland verkommen lassen, strafen sie mit Ignoranz. Bedeutet dieses Schweigen, dass sie sich ebenfalls nur an der größten Open-Air-Galerie der Welt bereichern wollen?
Das größere Problem stellt aber wohl die Firma S.T.E.R.N dar, die als Baufinanzierer der Sanierung fungiert. Deren Kostenvoranschlag sieht horrende Ausgaben für absolut sinnlose Dinge vor. Beispielsweise wollen sie 100.000 Euro für Gerüste ausgeben, die kein einziger der Künstler braucht, oder 64.000 Euro zur sogenannten Betreuung der Künstler.
Im Grunde ist der Streit um die East Side Gallery ein Paradebeispiel für das, was sich zum heutigen Kunstmarkt entwickelt hat. Kunst hat in erster Linie Vermarktungswert und der Künstler ist der Fließbandproduzent, den man in vielen Fällen mit einem Hungerlohn abspeisen kann…

















bodo sperlingMay 29th, 2009 – 13:32:19
Das 985 Meter lange Reststück der Berliner Mauer zwischen der Oberbaumbrücke und dem Ostbahnhof bildet heute die \\\’East Side Gallery\\\’.
Im März 1990 waren das Vorstandsmitglied Barbara Greul Aschanta und Bodo Sperling als Sprecher des Bundesverband Bildender Künstler BBK Frankfurt a/M. damit beauftragt, die beiden Deutschen Künstlerverbände \\\’BBK und dem Verband Bildender Künstler der DDR zu Vereinen.
Die damaligen DDR-Künstlerkollegen standen plötzlich ohne Aufträge und Zukunft da, es sollten Perspektiven aufgezeigt werden.
Im März 1990 wurde als erste gemeinsame Aktion der beiden Verbände durch Barbara Greul Aschanta, Bodo Sperling, und dem Sprecher des Verband Bildender Künstler der DDR Jörg Kubitzki sowie David Monty , die \\\’East Side Gallery\\\’ gegründet.
Es bildet quasi das erste Gesamtdeutsche Gesamtkunstwerk nach dem Mauerfall.
Die East Side Gallery steht seit 1991 unter Denkmalschutz.
2009 jährt sich der Fall der Mauer zum 20. Mal. Bis Oktober 2009 sollen die mittlerweile zerschlissenen Bilder, und die beschädigte Mauer restauriert werden. Hierzu sind Mittel von 1.189.000. -€ für die Betonsanierung bewilligt. Für die 118 Künstler stehen weitere 985.000.- € der Lottostiftung Berlin zu Verfügung.
Das zuständige Bezirksamt von Berlin Friedrichshain-Kreuzberg hat die Verteilung der Mittel und die gesamte Koordinierung in die Hände der S.T.E.R.N. GmbH zur sanften Stadtentwicklung gelegt.
(Wahrscheinlich ohne Ausschreibung)
Laut Vereinbarung zwischen der S.T.E.R.N. GmbH und den einzelnen 118 Künstlern sollen die Bilder neu gemalt werden.
Für diese Arbeit wird den Künstlern eine Aufwandsentschädigung von 3.000. -€, die Übernahme von Fahrtkosten die Unterkunft und ein Verpflefungsgeld angeboten.
Die Zahlung eines Honorars ist nicht vorgesehen, obwohl die Mittel dafür vorhanden sind.
Statt dessen werden die für die Wiederherstellung der Bilder bewilligten 985.000. -€ Mittel dubios zweckentfremdet.
Wir sind im Besitz von original Unterlagen der S.T.E.R.N. GmbH, aus denen hervor geht, dass der Verbleib des grössten Teils der Gelder zweckentfremdet wird.
Deshalb haben wir den Landesrechnungshof mit der Überprüfung beauftragt.
Einzelne Positionen der Dokumente \\\’Kosten und Finanzierung\\\’ wurden von uns gegen gerechnet. Das Ergebnis war, dass etwa 1.200.000. -€ nicht nachvollziebar sind.
Im März 2008 gründete Bodo Sperling die \\\’Gründerinitiative East Side\\\’. Seit März 2008 versuchen wir mit den Beteiligten; Bezirksbürgermeister Dr.Schulz, Friedrichshain-Kreuzberg, der S.T.E.R.N. GmbH, Gespräche zu führen, über diese finanziellen und umganglichen Verwerfungen. Leider bekamen wir bis Heute keine Antwort von Herrn Dr. Schulz oder anderen Veantwortlichen.
Unsere Bitte an Herrn Schulz uns die Künstlerliste auszuhändigen, die Bodo Sperling 1990 dem Bezirksamt Friedrichshain zu Verfügung stellte wird bis Heute verweigert.
Es soll der Kontakt unter den Künstlern verhindert werden. Diese Vermutung nährt sich aus dem Fakt, dass die Malaktion immer nur maximal vier Künstler zur selben Zeit zulässt.
Die gesammte Malaktion wird von Herrn Kani Alavi, der 1997 den Verein \\\’Künstlerinitiative East Side Gallery\\\’ gegründet hat überwacht. Alavi kontrolliert ob die Künstler lienientreu 1 zu 1 ihre Bilder kopieren.
Vorgesehen und zugesagt war ursprünglich die Restaurierung der noch zum Teil vorhandenen Bilder. Mittlerweile hat man den größten Teil der Bilder einfach abgestrahlt, und so verhindert, dass die unter Denkmalschutz befindlichen Bilder fachgerecht restauriert werden.
Bislang konnte Bodo Sperling lediglich erreichen, dass der Denkmalschutz auch nach der Restaurierung schriftliche Bestätigung durch das Amt für Denkmalschutz erfuhr.
Die S.T.E.R.N. GmbH für sanfte Stadtentwicklung Droht nun den nicht willigen Künstlern an, deren Werke durch Andere Personen neu nachmalen zu lassen, auch entgegen dem erklärten Willen der Künstler.
In die gleiche Kerbe schlägt auch der Leiter des Büro Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten Herr Klemke.
Herr Klemke beruft sich dabei auf \\\’Treu und Glauben\\\’, was nach Auffassung der Justiziarin Frau Dr. Schierholz, VG Bild-Kunst Bonn und Herrn Prof. Dr. Peter Raue, juristisch unhaltbar ist.
Sollte sich der Senat nicht besinnen, und die Bilder dennoch ohne Einwilligung der Urheber nachmalen zu lassen, würde dies eine Flut von Urheberklagen nach sich ziehen.
Unsere Forderung von 15.000. -€ stellt einen fiktive Betrag da, der aus den in den letzten 20 Jahren
entgangenen Gewinnbeteiligung an der Gesamtvermarktung in mehrstelliger millionenhöheder East Side Gallery durch das Land Berlin resultiert, und der sich aus der Höhe der zu Verfügung stehenden Mittel für die Sanierung der East Side Gallery von 2.174.000. -€ ergiebt.
In der Hauptsache unserer Kritik steht der Angriff auf die Künstlerische Freiheit.
Wir sind nicht Zierwerk eines Systems der Intransparenz, dass sich weigert auf die Fragen der Bürger zu Antworten, sondern wir sind freie Künstler die mit ihrer Arbeit Perspektiven aufzeigen wollen.
Wenn von uns verlangt wird, ungeachtet unserer eingenen künstlerischen Entwicklung, unsere Arbeiten von vor 19 Jahren noch einmal 1zu1 nach zu malen, dann muss dies auch angemessen honoriert werden.
Es stellt sich die Frage wer sich hier auf unsere Kosten bereichert.
Zitat Helmut Schermayer von der projektsteuernden S.T.E.R.N. GmbH am 03 November 2008 in
einem persönlichen Gespräch mit mir:
Ob die Künstler malen oder nicht interessiert mich nicht, wir haben unser Geld -.
Es ist Konsens unter den Künstlern der Gründerinitiative East Side, unsere Bilder gegebenenfalls
nicht wieder auf die Mauer zu malen, sollten unserer Forderung kein annehmbares Angebot folgen.
Die theoretische Möglichkeit etwa andere Bilder auf die Mauer malen zu lassen schreckt uns nicht.
Dies stünde auch a priori im krassen Gegensatz zum Auftrag der Denkmalbehörden, die die East Side Gallery in ihrer Gesamtheit, also Bilder und Mauer 1992 unter Denkmalschutz gestellt hat, und für deren Erhalt sie verantwortlich zeichnet.
(Quelle: Landesdenkmalamt von Berlin, Frau S. Schulz)
Ein medienpolitisch delikater Fehltritt des Berliner Senates könnte meiner Einschätzung nach
vermieden werden, wenn sich die Verantwortlichen darüber im klaren wären,
das die Panoramafreiheit gerade nicht für die Vervielfältigungen an einem Bauwerk (§ 59 Abs. II
UrhG) gilt – was verhindern soll, dass öffentlich sichtbare Werke auf die selbe Weise nachgebildet
werden, so dass die Nachbildungen ohne die Zustimmung der Urheber die Originale ersetzen
könnten – so Dreier/Schulze-Dreier, Kommentar zum Urheberrecht, § 59 Rn 9.
Praktisch würde dies das Veröffentlichungsverbot für alle Print-TV Medien bedeuten.
Es wäre dann fortan nicht mehr erlaubt, die Bilder zu filmen, oder zu fotografieren, (§59 Rn 9 UrhG) und anschliessend zu veröffentlichen, was mit an Sicherheit zu Irritationen auch bei ausländischen Journalisten führen würde.
Die rüde Vorgehensweise und die offenslichtlichen Verstöße gegen das Urheberrecht sowie die Aufforderung zur Verletzung geltenden Rechtes durch den Senat, der S.T.E.R.N. GmbH und Kani Alavi veranlassen uns, derzeit 13 Unterzeichner der Vollmacht die Bodo Sperling zum Sprecher der Gründerinitiative East Side sowie Dimitri Vrubel,Moskau, der uns Unterstützt (gemeinsame Pressekonferenz Berlin 29.04.2009) Maler des Bruderkuss und weiteren sympatisierenden Künstlern zur Verweigerung unter der derzeit herschenden Situation unsere Bilder erneut zu malen.
Wir fordern für jedes Bild ein Honorar von 15.000. -€. und die für die Künstler gespendeten Mittel von 985.000..€ auf die Künstler auf zu teilen, damit diese in Eigenregie und Verantwortung ihre Arbeiten erneut malen können.
Die Bilder unter den gegebenen Bedingungen neu zu malen würde für uns bedeuten, dass wir Künstler die Intransparente Haltung der Verantwortlichen im Bezirksamt, dem Berliner Senat und der S.T.E.R.N. GmbH toleriern, und auf die von uns eingeforderte Intellektuelle Redlichkeit Verzichten würden.
Dies würde die Frage nach dem Sinn von Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft aufwerfen, und hätte merkwürdige Parallelitäten zur Situation in einem totalitären Staat, den wir vorgeben, mit dem Feiern des Falls der Mauer hinter uns gelassen zu haben.
GRÜNDERINITIATIVE EAST SIDE
Bodo Sperling
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