Loriot-Hommage: Vom Kosakenzipfel zum Jodeldiplom
Er ist einer der größten Humoristen, ja, Künstler Deutschlands. Die meisten sind mit ihm groß geworden und so wundert es auch niemanden, dass Loriot, alias Vicco von Bülow, unseren Alltag und unseren Sprachgebrauch enorm geprägt und beeinflusst hat. Eine Hommage war längst fällig und findet in letzter Zeit zum Glück auch statt. Momentan kann man alle seine Zeichnungen, Sketche, Dokumente, zahlreiche Filmausschnitte, Requisiten, und, und, und im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg bestaunen.

Vicco von Bülow alias Loriot 2005 (public domain)
Loriot hat sich in die Köpfe der ganzen Nation gebrannt. Wohl jeder kann auf Abruf Loriot zitieren und viele müssen schon allein bei Namen wie Müller-Lüdenscheid oder Opa Hoppenstedt schmunzeln. Wer erinnert sich nicht gerne an Klassiker des Humors wie die Nudel im Gesicht oder das Jodeldiplom von Frau Hoppenstedt (der “Erzherzog-Johann-Jodler”)? Wer fühlte sich an Weihnachten nicht schon einmal mitten in einem Sketch zwischen Familie Hoppenstedt sitzen oder musste bei der Auswahl des Desserts breit grinsen (der Kosakenzipfel – ein Mokka-Trüffel-Parfait mit Zitronenbällchen)?
Und wer wirklich keine Ahnung hat, wovon hier gerade die Rede ist, sollte diese Bildungslücke schleunigst auffüllen, denn Loriots Humor ist einfach einzigartig. Es ist das Talent der genauen Beobachtungsgabe, das seine Kunst so zeitlos und für viele sehr wertvoll macht. Er schafft es, die Menschen genau zu analysieren und gibt ihre kleinen Verschrobenheiten und Eigenarten überspitzt wieder, so dass sich jeder selbst darin erkennt. Sein Witz braucht keinen übertriebenen Slapstick, kein “Haudrauf” und hat es auch nicht nötig, unter die Gürtellinie zu gehen oder zu verletzen. Denn was könnte es Komischeres oder Absurderes geben als die Menschen selbst und deren Alltag?
Hinter dem manchmal sogar unschuldig wirkenden Humor verbirgt sich deutliche Kritik auf leichte Weise verpackt, denn Loriot persifliert genau das, was die Gesellschaft ausmacht, nämlich uns selbst. So kritisiert er praktisch die Basis der Demokratie und den Schein, den wir uns alle tagtäglich aufbauen bzw. der um uns herum aufgebaut wurde. In welchen Formen der Kommunikation bewegen wir uns und vor allem wo sind die immerwährenden Missverständnisse? Welche Zwänge und Regeln kann manchmal die sogenannte und viel besungene Hochkultur, also Malerei, Musik, Literatur etc., mit sich bringen?
Loriot (das französische Wort für den Pirol, den Wappenvogel der von Bülows) wurde am 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel geboren. Nach seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront studierte er Malerei und Grafik. In der 1950er Jahren war als Cartoonist für mehrere Magazine tätig, u. a. auch für den “Stern”. Schon damals waren die knollnasigen Männchen sein Markenzeichen. Seinen ersten Fernsehauftritt hatte er als Moderator der Sendung “Cartoon”. Die größten Erfolge feierte Loriot aber wohl in den 1970er Jahren mit seinen Sketchsendungen. Seine beiden Filme “Ödipussi” und “Pappa ante portas” (”Mein Name ist Herr Lohse, ich kaufe hier ein.”) sind inzwischen echter Kult.
Wer jetzt wieder Lust bekommen hat, in Erinnerungen und dem Humor unseres Alltags zu versinken, der sollte sich beeilen, denn die Ausstellung “Loriot – Die Hommage” ist nur noch bis zum 23. August in Hamburg zu sehen. Es handelt sich hierbei um eine Art große Retrospektive aus circa 400 Exponaten aus dem vielschichtigen Leben des Vicco von Bülow, die vorher bereits im Filmmuseum in Berlin zu sehen waren. Zur Ausstellung erscheint die Publikation „Loriot. Ach was!“ im Hatje Cantz Verlag.
Also dann: ”Krawehl, Krawehl! Taubtrüber Ginst am Musenhain.”



















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