“Wählers Gunst oder die kleine Rache des Souveräns”
In diesen Tagen erleben wir es wieder einmal: Überall lächeln und grinsen sie uns an. Ihre Augen scheinen uns auf Schritt und Tritt zu verfolgen und spätestens dann wissen wir, es ist wieder einmal Wahl.

Helmut Kohl, CDU Bundestagswahl, 25.01.1987, Helmut Kohl vs. Johannes Rau, Foto: F. C. Gundlach
Da wird groß inszeniert, wenig reflektiert und manchmal auch ein bisschen polarisiert, was dann aber wieder zum Ersten zurückführt. Und der Bürger, der eigentliche Souverän, muss überzeugt werden, soll durch geschickte Beeinflussung in eine Richtung gezogen werden.
Doch die Sprüche der Politiker werden immer hohler und viele im Volk haben die Schnauze längst gestrichen voll. Bei vielen mündet dies in der berühmten “Politikverdrossenheit”, andere, und das sind mit die Lieberen, lassen ihrer Wut und ihrer Ohnmacht freien Lauf. In meist heimlichen Nacht- und Nebelaktionen fallen sie über das einzig direkt Erreichbare der sogenannten Volksvertreter her: die Wahlplakate.
Meist kreativ, zynisch und ironisch werden die Taten und hohlen Sprüche der “Mächtigen” kommentiert und persifliert. Ob nun Helmut Kohl mit Lippenstift, Willy Brandt mit Vampirzähnen oder Edmund Stoiber mit Hasenzähnen, alle “umgestalteten” Plakate sprechen eine klare Sprache, die zu verstehen sich die Politiker aber weigern. So werden fast alle diese Plakate auch so schnell wie möglich wieder überklebt, damit auch ja kein Unmut im Wahlvieh aufkommt…

Rudolf Scharping, SPD Bundestagswahl, 16.10.1994, Helmut Kohl vs. Rudolf Scharping, Foto: F. C. Gundlach
Einige dieser kleinen Kunstwerke konnte der Fotograf F. C. Gundlach jedoch noch vor dem “Ausradieren” für die Ewigkeit bewahren. Seine Fotografien all dieser Wahlplakat-Karikaturen kann man momentan, passend zur anstehenden Bundestagswahl, noch bis zum 27. September im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg bestaunen.
“F. C. Gundlach?” werden jetzt wahrscheinlich einige verwundert stutzen, kannte man ihn doch bisher nur aus der Mode-Fotografie. Für Gundlach alles ein und dasselbe, denn sowohl bei den Wahlplakaten als auch bei Modekampagnen geht es letztendlich nur um Selbstinszenierung, um Werbung. Nur, dass die “verunstalteten” Plakate dem Fotografen eine direkte Reaktion auf die Inszenierung zeigen. Und was ist am Ende spannender als das?
Allen, die sich ebenfalls nicht im Glanz der “Politikverdrossenheit” gemütlich sonnen, sondern aktiv von ihrem Recht als Wähler Gebrauch machen wollen und dazu noch ein bisschen Inspiration brauchen, sei die Ausstellung “Wählers Gunst oder die kleine Rache des Souveräns” ans Herz gelegt. Politisches Kabarett in Bildern vom Volk für das Volk, was will man mehr?

















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