Thomas Demand in Berlin – (Neue) “Nationalgalerie”?
Er zählt zu den einflussreichsten Künstlern unserer Zeit und doch wurde dem 1964 in München geborenen Thomas Demand bisher in Deutschland weniger Aufmerksamkeit geschenkt als international. Während seinen Werken in London oder New York bereits umfangreiche Ausstellungen gewidmet wurden, so ist die kommende Ausstellung in Berlin die erste große hierzulande.

Thomas Demand Büro / Office, 1995 C-Print / Diasec, 183,5 x 240 cm © Thomas Demand, VG Bild-Kunst, Bonn 2009
Dabei kreist Demand thematisch doch immer wieder um Deutschland. Doch vielleicht ist gerade dies der Grund für seine größere Beachtung im Ausland. Demand zeigt in seinen Werken einen Blick von außen auf unser Land, ja, er dokumentiert unsere Geschichte und hält sie doch nicht wirklich fest.
Jedoch in solch einem historischen Jahr kommen selbst wir nicht vorbei an Demand. “Nationalgalerie” heißt die Ausstellung, die ab heute passend in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu sehen ist. 60 Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, 20 Jahre nach dem Mauerfall und kurz vor der Bundestagswahl wird auch noch der letzte (im positiven Sinne) gezwungen, sich wenigstens ein bisschen mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen.
Thomas Demand gibt in dieser groß angelegten Ausstellung eine tiefgründige Anleitung zum Umgang mit Erinnerung. In seiner “Nationalgalerie” hält er Ereignisse seit 1945 fest, von historisch großen bis hin zu banalen kleinen.
Als Vorlage für seine Werke dienen ihm Bilder aus den Massenmedien. Diese baut er dann in Skulpturen aus Papier und Pappe nach, jedoch eliminiert er systematisch Personen und spezifische Spuren des Geschehens, so dass nur noch ein leerer Tatort übrig bleibt, eigentlich sinnentleert und doch allen bekannt…

Thomas Demand Studio / Studio, 1997 C-Print / Diasec, 183,5 x 349,5 cm © Thomas Demand, VG Bild-Kunst, Bonn 2009
Diese dreidimensional gemachte Rekonstruktion fotografiert er wiederum, macht sie wieder zweidimensional und bringt sie entleert in ihre Ausgangsposition zurück. Die Skulpturen werden anschließend zerstört, so dass nur noch das Bild, ähnlich wie bei den Originalvorlagen, übrig bleibt.
Thomas Demand spielt auf diese Weise mit unserer Wahrnehmung und macht uns vor allem auf den Umgang mit Massenmedien aufmerksam. Bestimmte Bilder haben sich in unser Gedächtnis eingebrannt, doch was sind sie ohne die entsprechende Darstellung? Lebt eine Gesellschaft nur noch in ihren Bildern weiter, in ihrer Selbstdarstellung?
Begleitend zur Ausstellung findet eine wöchentliche Vortragsreihe unter dem Motto “How German is it?” statt. Hier diskutieren Wissenschaftler, Politiker, Künstler, Schriftsteller, Soziologen und Unternehmer über Aspekte der deutschen Kultur, Geschichte und Gesellschaft.
Thomas Demand bietet uns eine ganz besondere Herangehensweise an unsere vermeintliche Identität. Geradezu erfrischend bei der momentan abgehaltenen medialen Gedenkschlacht…

















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