Ulrike Bolenz zwischen Fotografie und Malerei auf der Berliner Liste 2009
Die Kunstmesse Berliner Liste 2009 gilt als experimenteller Ort für junge Galerien und aktuelle Kunst. Dieses Jahr werden auf vier Etagen 60 Galerien aus 14 Ländern in einer entspannten Atmosphäre im Palais am Tiergarten vorgestellt. Im Focus steht die osteuropäische Kunstszene sowie Spanien, die Hälfte der ausstellenden Galerien stammen jedoch aus Deutschland, so auch die Marburger Galerie Michael W. Schmalfuss.

Ulrike Bolenz, Zwei Kämpfende, 2009, 160 x 120 cm, Acrylfarbe, Ölfarbe, Print auf Holz ©ulrikebolenz
Die Figur Mensch im Fokus
Ulrike Bolenz entwickelt seit Jahren eine einmalige Technik, die untrennbar von ihren Themen und Motiven wird. Ein fotografischen Moment – ein Videostill von einem Video – vom Menschen, ein Akt, Moment des Gestus wird zum Ausgangspunkt eines Werkes. Das Negativ wird teilweise bearbeitet. Der Abzug und die Vergrößerung in die Menschensgröße auf Plexiglas, Acrylfolien oder Platten ermöglichen ihr eine Arbeit mit Schichten, Überlappungen, ein Spiel mit Transparenz, Kontrast, Schatten und Licht. Die mit Pinsel aufgetragene Acrylfarbe akzentuiert Konturen, fügt Farbflächen hinzu und setzt eine „fassbare“ Materie auf den teilweise plastischen Hintergrund. Mit Kohle zeichnet Ulrike Bolenz Linien, erweitert oder verdoppelt die Figur Mensch. Das Ganze ergibt Figurationen, Bilder von Bildern, geschichtete, überlappte Silhouetten, Verwischungen, komplette oder Teil-Transparenzen, diffuses oder gespiegeltes Licht und ein neuer Raum entsteht.

Ulrike Bolenz, In Bewegung, 2006, 100 x 200 cm, fotografische Technik, Acrylfarbe ©ulrikebolenz
Die Arbeit der Künstlerin ist äußerst rigoros und basiert auf einer einmaligen Technik, die sie meisterhaft beherrscht und von ihren Themen nicht mehr zu trennen ist: ihre Werke befragen immer wieder die Identität des Menschen, gefangen in unserer wissenschaftlich orientierten Gesellschaft, gefangen in künstlichen Räumen. Ihre Arbeiten, die drei Themen immer wiederbeleben, ziehen den Blick und das Bewusstsein des Betrachters interrogativ an und erweisen sich als wahres Gegenüber.

Ulrike Bolenz, Zwei Frauen, 2008, 170 x 200 cm, Fototechnik, Acrylfarbe, Plexiglas ©ulrikebolenz
In den „Cloning“-Arbeiten (meist mit der Figur einer Frau), verweist die Doppelung der menschlichen Figur auf die genetische Manipulation, die mögliche“ Zucht“ des Menschen. Die Fläche wird mit biochemischen Chiffre bearbeitet. Die unheimliche und bedrohliche Metaphorik wird durch das präsente und scheinbar selbstsichere Auftreten der Figur etwas gemildert. Die rötlichen Töne verweisen auf Fleisch und Blut.
In den „Durchbrochenen Räumen/Kämpfenden“ versuchen die Figuren aus dem festgelegten Raum, sich durch körperliche Kraft zu wehren und hinter den Acrylplatten auszubrechen. Die Körpereruptionen fügen der Komposition eine interessante Dynamik hinzu. Der Ausdruck des Kampfes, Angriffs oder der „Notwehr“ ist perfekt festgehalten und der abgebildete Mensch schafft es teilweise auch die Platten zu sprengen.

Ulrike Bolenz, Cocoon, 2009, ca. 40 x 150 cm, Mischtechnik ©ulrikebolenz
Seit 2008/2009 dringt in den Werken von Ulrike Bolenz die Zeichnung wieder mehr in den Vordergrund. Der Mensch wird neben dem fotografischen Abbild mit Kohle skizziert. Dadurch entsteht eine stärkere Auseinandersetzung zwischen zwei nebeneinandergestellten Ausdrucksformen und zwischen den zwei Gestalten, die sich durch ihr Erscheinungsbild differenzieren.

Ulrike Bolenz (Mitte)auf der Berliner Liste ©Katia Hermann
Belgien und Frankreich neben Werken bedeutender Künstler wie Marie-Jo Lafontaine, Christian Boltanski und Anselm Kiefer zu sehen sein wird.
Bis zum 27.09.2009 noch auf der Berliner Liste zu sehen.

















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