In Zusammenarbeit mit dem Forum für junge Fotografie startet das Heidelberger DAI eine neue Ausstellungsreihe. Zum Auftakt wird in der Galerie Upstairs „Rapa Nui“ von Markus Kaesler gezeigt (09.10.- 04.11.09). Die Aufnahmen des jungen Heidelberger Fotografen fangen die besondere Atmosphäre der „Osterinsel” ein und geben eine Ahnung der tragischen Geschichte der chilenischen Insel.

Markus Kaesler, Rapa Nui © M. Kaesler
Der Heidelberger Fotograf hat die „Osterinsel“ porträtiert, den – von Europa aus – entlegensten bewohnten Punkte der Erde, fast 4000 km vor der chilenischen Küste. Bekannt ist die Insel vor allem wegen der geheimnisvollen Moais, den monumentalen Steinköpfen, die an der Küste entlang aufgestellt sind und die der Forschung nach wie vor Rätsel aufgeben. Zweck und Entstehungszeit der Kolossalstatuen liegen im Dunkeln. Vermutlich fungierten sie als Bindeglied zum Jenseits und stellen berühmte Häuptlinge oder Ahnen dar. Heute stehen von den ursprünglich wohl über 1000 Moais noch etwas mehr als 600.

Markus Kaesler, Rapa Nui © M. Kaesler
Weniger bekannt ist hingegen das tragische Schicksal von Rapa Nui, wie die Insel in der Sprache der polynesischen Ureinwohner heißt. In den vergangenen Jahrhunderten – noch vor der Ankunft der Europäer – schlitterte die Insel durch den Raubbau der Menschen in eine ökologische Katastrophe von enormen Ausmaß, deren Folgen noch heute zu spüren sind. Der radikale Bevölkerungsrückgang hat sich erst im späten 19. Jahrhundert langsam stabilisiert. Heute leben etwas mehr als 3000 Menschen auf Rapa Nui, für die der Tourismus zu einer der wichtigsten Einnahmequellen geworden ist: Seit 1995 ist die „Osterinsel“ Teil des UNESCO-Welterbes.
Die Geschichte Rapa Nuis liest sich auch als Parabel darauf, wie das Eingreifen des Menschen in seine Umwelt bis hin zu ihrer Zerstörung sich letztendlich auf ihn zurückwirft.
Markus Kaesler hat sich Rapa Nui in mehreren Wochen mit der Kamera angenähert. Inspiriert von Gedichten des chilenischen Schriftstellers Pablo Neruda, der seine Eindrücke von der „Osterinsel“ in seinem Gedichtband „La rosa separada“ festgehalten hat, fängt der Fotograf außergewöhnliche Perspektiven der Insel ein. Im DAI werden die Aufnahmen mit Auszügen von Nerudas Texten präsentiert.

Markus Kaesler, Rapa Nui © M. Kaesler
Kaeslers vorwiegend schwarzweißen Panoramaaufnahmen zeigen Rapa Nui in ruhigen, atmosphärischen, aber auch verlassenen und menschenleeren Ansichten, ohne dabei allerdings vorgefertigte Erwartungen zu bedienen. So sind natürlich auch die berühmten Moais zu sehen, jedoch nicht in touristischer Manier als prominentes Hauptmotiv der Fotografien. Vielmehr sind sie in ihrem landschaftlichen Kontext als Teil der Insel zu erkennen. Eingefangen hat der Fotograf auch eine Ahnung der weniger idyllischen Geschichte, die die Realität vor Ort nach wie vor prägt, etwa wenn der Blick durch ein Loch im Maschendrahtzaun auf eine Moai-Skulptur im Hintergrund fällt.
Wie viele seiner anderen Arbeiten ist auch diese Serie bestimmt von Kaeslers Interesse an besonderen Lichtverhältnissen und dem Medium Licht, das er mit minimaler technischer Ausrüstung einzufangen versucht. Er verzichtet prinzipiell auf die Möglichkeiten der digitalen Fotografie und arbeitet analog oder experimentiert mit der Camera obscura. So gelingt es ihm, die Monumentalität und die besondere Atmosphäre Rapa Nuis und ihrer Moais sicht- und spürbar werden zu lassen.
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