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Kultur in der Unteren Straße Heidelberg: Nachtruhe vs. Kneipentradition

23. November 2009 [ 1 Kommentar ]

Das Heidelberger Nachtleben spielt sich traditionell vor allem in der Unteren Straße, einer Parallelstraße der Haupt(einkaufs)straße zwischen Uniplatz und Marktplatz, ab. Eine ganze Reihe von urigen Kneipen säumt die schmale Straße von beiden Seiten, so dass die Straße zu einer räumlichen Erweiterung der Bars wird, auf der man sich mit einem Getränk in der Hand aufhält, trifft, unterhält. Hier herrscht im sonst eher beschaulichen Heidelberg eine ganz besondere Mischung aus Großstadt-Szene und mediterraner Piazza-Atmosphäre – letzteres vor allem im Sommer, wenn sich die Feierwilligen bis tief in die Nacht auf dem Kopfsteinpflaster vor den Kneipen versammeln. Das besondere Flair der Unteren Straße ist zu einem Markenzeichen des Heidelberger Nachtlebens geworden.

Untere Straße, Heidelberg

Untere Straße, Heidelberg (Foto: ww2.heidelberg.de)

Eben dies sorgt seit einiger Zeit jedoch für mächtig Ärger. Die Anwohner in der Altstadt protestieren mit Plakaten und Transparenten gegen zu viel Lärm und die weniger schönen Begleiterscheinungen der Partymacher. Der Unmut über als Urinal missbrauchte Hauseingänge, exzessives Qualmen (seit dem Rauchverbot in öffentlichen Räumen halten sich die Raucher geschlossen draußen auf), grölende Junggesellenabschiede und betrunkene Randalierer – das Alkoholverhalten hat sich in den letzten Jahren deutlich gesteigert – ist verständlich. Unverständlich sind jedoch die teilweise radikalen Forderungen der Anwohner-Aktion, die letztendlich auf eine komplette „Stilllegung” der berühmt-berüchtigten Kneipenszene in der Unteren Straße zielen, einer Kneipen-Meile, die nicht erst seit gestern existiert und schon so etwas wie eine kleine Tradition der Stadt geworden ist.

Mit einer „stillgelegten” Unteren Straße ginge nicht nur in touristischer Hinsicht eine große Attraktion der ansonsten eher beschaulich-verschlafenen Stadt verloren, sondern man würde auch ein Charakteristikum der Studentenstadt Heidelberg aufgeben, das das Uni-Leben wesentlich prägt. Denn viel geboten wird den jungen Leuten in Heidelberg nicht, da muss man schon ins benachbarte Mannheim fahren. Auch das Potenzial des Tourismus wird derzeit nicht wirklich aktiv ausgeschöpft – man verlässt sich auf die Attraktion des Schlosses und der historischen Altstadt.

Ein Zeichen dafür, dass trotz allen Unstimmigkeiten im Bereich der Unteren Straße dennoch Kultur für Menschen mit Anspruch möglich ist und die Szene in der Heidelberger Altstadt noch nicht aufgegeben wird, will die Aktion „Seitensprung. Kultur in der Unteren” setzen. Am Dienstag 24.11.09 um 19.30 Uhr findet in der Galerie P13 die erste Veranstaltung statt: Geboten wird ein musikalisch-lyrischer Abend mit der Ax Genrich Band, die experimentelle Rockmusik mit vielen spannenden Varianten klassischer Rock’n'Roll-Beats spielt, während Julia Ferrarese und Ivan Rodriguez mit Akkordeon und Gitarre Musik auf lateinamerikanischer Basis mit französischen und italienischen Anteilen kreieren und Jean-Michel Raeber Lyrik liest.

Für den kulinarischen Rahmen sorgen das Weinatrium sowie ToK Tee oder Kaffee und das Café Burkardt, die alle ebenfalls in bzw. bei der Unteren Straße ihren Sitz haben. Der Eintritt von 7 € geht an die auftretenden Künstler.

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Autor/in: Simone Kraft Bilder: ww2.heidelberg.de Abo: RSS-Feed | Mehr...


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Ein Kommentar »

  • Carmen A sagt:

    “Denn viel geboten wird den jungen Leuten in Heidelberg nicht, da muss man schon ins benachbarte Mannheim fahren.” Bitte????? Wo geht man denn da hin???

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