„begehbare Räume – begehbare Zeit”. Gabriele Worgitzki in der Galerie Kunst2
Mit „begehbare Räume – begehbare Zeit” präsentiert die Heidelberger Galerie Kunst2 über den Jahreswechsel eine besondere Ausstellung: Zu sehen sind Tuschezeichnungen und Fotoarbeiten der Berliner Künstlerin Gabriele Worgitzki (27.11.09-15.01.10), deren Arbeiten erstmals in Heidelberg gezeigt werden.

Gabriele Worgitzki, ohne Titel (begehbare Räume, klein), farbige Tusche auf Papier, 42,0 x 58,0 cm, 2009 © G. Worgitzki
Worgitzki, die als Meisterschülerin von Katharina Sieverding an der Hochschule der Künste Berlin studiert und abgeschlossen hat, spürt den verschiedenen Arten der Wahrnehmung nach, wie sie sich gleichsam vor dem inneren und äußeren Auge abspielt. Sie arbeitet sowohl mit Zeichnungen als auch mit dem medialen Zwischenbereich von Fotografie und Video, die sich gegenseitig beeinflussen.
In den „begehbaren Räumen” hinterfragt Worgitzki das konventionelle lineare Denken. Mit Tusche wirft sie zarte Linien, Konturen, Umrisse auf den weißen Untergrund, deutet Landschaften und Pflanzen, Menschen oder Gegenstände in verschwommenen, ineinander verfließenden Strichen und lavierten Flächen an. Die oft nur schemenhaft angerissenen Motive überlagern sich und eröffnen vielfältige Wahrnehmungsräume. Damit führt die Künstlerin unterschiedliche Wirklichkeitsebenen zusammen, wie sie sich ständig in unserem Geiste abspielen. Ihre Tuschezeichnungen greifen Momente aus dem komplexen und vielschichtigen Erfahrungsnetz heraus, zoomen sie gleichsam heran und zeigen ein Innehalten im Gedankenfluss, das von der Flüchtigkeit, Zerbrechlichkeit und Besonderheit dieser Augenblicke erzählt.

Gabriele Worgitzki, Wedding 21 (begehbare Zeit), C-Print hinter Plexiglas 95 x 115 cm 2008 © G. Worgitzki
Die großformatigen Fotoarbeiten der Reihe „begehbare Zeit” hingegen spüren der Idee nach, Bilder zu produzieren, die unserer visuellen Wahrnehmung entsprechen. Für die Aufnahmen, die im Berliner Bezirk Wedding entstanden, hat Worgitzki Menschen im städtischen Raum beobachtet, wie sie sich bewegen, wo und wie sie sich aufhalten, wie sie den Raum einnehmen, ohne das gesehene Verhalten jedoch näher zu kommentiert. Die Fotografien wurden mit einer Camera obscura aufgenommen und anschließend digital überarbeitet. Sie zeigen verschwommene Szenerien, die mehr erahnen lassen, als sie zu erkennen geben, wo sich das Geschehen abspielt. Auch die porträtierten Menschen sind nur an einigen Stellen scharf zu erkennen. Durch die lange Belichtungszeit gelingt es der Künstlerin, nicht nur einen Moment einzufangen – wie es typisch für die Fotografie ist -, sondern tatsächlich eine Zeitspanne sichtbar zu machen. Das Spiel von Bewegung und Statik, von scharfen und unscharfen Ebenen verleiht den Fotografien eine ganz eigene, malerisch anmutende Qualität.
Die Vernissage von „begehbare Räume – begehbare Zeit” findet am 27. November 2009 ab 19h in der Galerie Kunst2 in Heidelberg statt. Gabriele Worgitzki wird anwesend sein.




















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