Home » Art and Events, Ausstellungen, Kunst & Design

Friedrich Kunath: Home wasn´t built in a day im Kunstverein Hannover

21. Dezember 2009 [ Kein Kommentar ]

Ein Kaleidoskop aus Motiven, Farben, Materialien. Keine Arbeit passt zur anderen, alles erscheint wie eine große Sammlung aus flüchtigen Erinnerungen, Träumen und Hoffnungen. Jedes der Werke steht für sich allein und dennoch verbindet sie ein zentrales Thema – die Sehnsucht nach einem geschützten Ort, der Heimat. Noch bis zum 24. Januar 2010 zeigt der Kunstverein Hannover Friedrich Kunaths “Home wasn´t built in a day”.

Friedrich Kunath: Leaving is overrated, 2009. Foto: Kunstverein

Friedrich Kunath: Leaving is overrated, 2009. Foto: Kunstverein

Die Ausstellung beginnt mit dem Ende. Mitten im ersten Raum thront ein Sarg, bedeckt mit Jeansflicken, nur die Metallhalterungen sind noch sichtbar. “Leben lebt man von vorne, aber versteht es von hinten. Daher der Beginn mit dem Tod”, so die Kuratorin Ute Stuffer.

Jeansstoff spiegelt Revolution, Jugendlichkeit und Freiheit wider. Für Kunath, der in der ehemaligen DDR aufwuchs, mag es zudem ein Sinnbild für das Besondere sein, das nun zu Grabe getragen wird. Alltägliche Fundstücke, die auf spielerische Weise einzigartig werden, finden sich in vielen seiner Werke. Aus einem Paar abgetragener Turnschuhe steigen Schnürsenkel wie Vögel gen Himmel empor; das Göttliche hält versöhnend alle Fäden zusammen. Fledermäuse, die an der Decke hängen, verlieren Münzen, Schlüssel und Streichholzbriefchen. Socken, sorgsam in einem alten Fernsehergehäuse aufgereiht, können trotz der farbigen Vielfalt nicht über den Stillstand hinwegtäuschen.

kvh_FK_Yourproblems2003

Friedrich Kunath: Your Problems, 2003. Foto: Kunstverein

Ein paar Schritte weiter entschwinden mit dem Flugzeug “Your Problems” der Sonne entgegen, während gegenüber ein an Jawlensky erinnerndes Gesicht sich eine Träne aus dem Auge wischt. Vor dem Bild des Dreimasters türmt raumfüllend ein Chaos aus kaputten Möbeln, zerschlagenen Fundstücken und Momenten konstruierter Idylle. Chill-out-Klänge, die Kunath eigens zum Meer der “gescheiterten Melancholie” komponiert hat, wiegen den Besucher trotz der offenen Gefahr in Sicherheit. Inmitten der bedrohlich wirkenden Flut steht ein Fuchs in einem gläsernen Polyeder. Als warte er auf etwas, gefangen im Schlachtfeld unseres Lebens. Das Meer und die Schiffe tauchen, als Symbole für Einsamkeit und Sehnsucht, immer wieder auf. Parallelen zu anderen berühmten Künstlern sind nicht zu übersehen. Vor allem Caspar David Friedrich und Albrecht Dürer haben Kunath offensichtlich stark beeinflusst.

Kunath erzählt uns Geschichten vom Heimweh und der Suche nach dem Neuanfang, vom Loslassen und Ankommen. Er vermischt die Gegensätze miteinander, das Absurde mit der Romantik, den Pessimismus und den Optimismus. Mitunter ist die Situation auch ausweglos. Ein Vogelhaus ist in einem Käfig gesperrt, als würde der gefiederte Bewohner die Illusion leben, ein freies Zuhause hinter den Stäben zu haben.

Friedrich Kunath: Die gescheiterte Melancholie, 2009. Foto: kunstverein

Friedrich Kunath: Die gescheiterte Melancholie, 2009. Foto: Kunstverein

Der größte Teil seiner Arbeiten wird von der bittersüßen Melancholie, von der Suche nach einem neuen Leben beherrscht. Gleichzeitig nimmt er auch dem Tragischen mit Komik und Ironie die Kraft. Wie bei der Leiter, die von unten nach oben schwarz angestrichen wurde. Nun steht der Eimer mit der Farbe ganz oben und es geht nicht mehr weiter. An einer Seite klebt nur ein Post-it mit dem Zitat „I may not always love you“ aus dem Beach Boys Song God only knows.


Ausstellungsansicht, Foto: kunstverein

Ausstellungsansicht, Foto: Kunstverein

In seinen Kurzfilmen bedient sich der Künstler des Slapsticks. Er wirft eine Jacke zu Boden und kniet sich nieder, worauf er von den umstehenden Menschen gemieden wird. Läuft zum Ärgernis der Anderen auf Rolltreppen in die falsche Richtung. Versucht erfolglos eine Rose zu verschenken. Oder überrascht Passanten schelmisch aus dem Hinterhalt durch eine kurze Berührung mit einem riesigen Gummihammer. In diesen Sozialstudien zeigt er bildhaft die gesellschaftliche Isolation desjenigen auf, der aus dem Strom des immer Gleichen ausbricht.

Trotz all dieser gescheiterten Hoffnungen scheint uns „Home wasn´t built in a day“ zuzuraunen, dass es dennoch vorwärts geht. Es braucht nur alles seine Zeit. Zum Beispiel ein Zuhause zu finden. Innerlich wie äußerlich.

Warum und wie die Journalisten und Autoren unterstützen?
Autor/in: Anna Moldenhauer Bilder: Kunstverein Hannover Abo: RSS-Feed | Mehr...


Bookmark Buttons:
Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Webnews Bookmark bei: Icio Bookmark bei: Oneview Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Favoriten Bookmark bei: Seekxl Bookmark bei: Kledy.de Bookmark bei: Publishr Bookmark bei: BoniTrust Bookmark bei: Power Oldie Bookmark bei: Bookmarks.cc Bookmark bei: Favit Bookmark bei: Bookmarks.at Bookmark bei: Newsider Bookmark bei: Linksilo Bookmark bei: Readster Bookmark bei: Folkd Bookmark bei: Yigg Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Blogmarks Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Reddit Bookmark bei: Simpy Bookmark bei: StumbleUpon Bookmark bei: Slashdot Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Yahoo Bookmark bei: Google Bookmark bei: Blinklist Bookmark bei: Technorati Bookmark bei: Newsvine

Schreiben Sie Ihre Meinung!

Hinterlassen Sie unten Ihren Kommentar oder trackbacken Sie von Ihrer eigenen Seite.
> Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

Kommentare per RSS abonnieren!

Folgende Tags stehen zum Einsatz:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

This is a captcha-picture. It is used to prevent mass-access by robots. (see: www.captcha.net)

Du mußt die 5 Zeichen im Bild, (Zahlen von 0 - 9 und Buchstaben von A - F),
in das Feld eintragen und das Formular abschicken um den Download zu starten.

  

Ohje, das kann ich nicht lesen. Bitte, generiere mir eine