Edward Burne-Jones „The earthly Paradise” in der Staatsgalerie Stuttgart
„Das Schöne ist stärker als das Hässliche“ und „Im Gewande des Schönen wird das Schreckliche erträglich“ – so lauten zwei Zitate der schaurigschön erzählten Audio-Tour für Kinder – die Audio-Tour für Erwachsene ist etwas nüchterner gehalten-, die die Staatsgalerie im Rahmen der Sonderausstellung präsentiert (24.10.09-07.02.10). Sie könnte man als eine der zentralen Aussagen interpretieren, für die Burne-Jones’ Schaffen steht. Das zeigt sich, wenn man durch die Staatsgalerie schlendert und sich in fremde, sagenumwobene und geheimnisvolle Welten begibt. Parallel dazu kann man aber auch ästhetische, ideale, mystische, zauberhafte, voll Sehnsucht erfüllte Schöpfungen erfahren und das alles vor dem geschichtlichen Hintergrund des 18. Jahrhunderts. Noch bis zum 07. Februar 2010 ist Edward Burne-Jones in Stuttgart zu erleben.

Edward Burne-Jones, Der Schlaf des König Artus in Avalon (1881-1898), Öl auf Leinwand, 279,4 x 650,24 cm, Museo de Arte de Ponce, The Luis A. Ferré Foundation, Inc., Ponce, Puerto Rico

Frederick Hollyer, Edward Burne-Jones und William Morris, 1874, Platinpapierabzug, 22,9 x 16,5 cm, Victoria and Albert Museum, London
Edward Burne-Jones (1833 – 1898) ist ein paradigmatischer Künstler seiner Zeit. Ein Mann, der in der damaligen Epoche sein Handwerk von Grund auf verstand und sich auf vielfältige Art und Weise damit ausdrücken konnte. Ein viktorianischer Visionär, der bedeutenden Zyklen, imposanten Mythen und Legenden gewachsen war und sie auf die Leinwand bringen, sie in der Zeit der sogenannten Industrialisierung in Bilder von emotionaler Faisson packen konnte. Edward Burne-Jones, der zusammen mit William Morris – Dichter, Maler, Architekt, Freund, Kompagnon und Geschäftspartner für lange Zeit – Möbelstücke, Glasfenster, Teppiche, Tapeten und Tapisserien kreierte und mit diesen einen visuellen Widerspruch gegen die vermeintlich „kalte“, technische Erneuerung der Phase damals äußerte. Mit ihnen verfolgte er auch das Streben, einem universellen Idealzustand – dem des sakralen Gesamtkunstwerkes – näher zu kommen.

Edward Burne-Jones, Der Schicksalsfelsen, 1885 - 1888, Öl auf Leinwand, 155 x 130 cm, Staatsgalerie Stuttgart
Seine Gemälde berichten von der schrecklichen Medusa und dem Helden Perseus und von seinem heroischen Einsatz für die Liebe zu Andromeda. Sie lassen Prinzessinnen wie Dornröschen für eine Ewigkeit friedlich schlafen und ruhen. Zu sehen ist auch König Artus’ Geschichte in Avalon, das monumentale Werk, das ganz deutlich die Stille und das Schweben in einer anderen Dimension veranschaulicht und das eigens aus Puerto Rico (Museum von Ponce) geliehen werden konnte. Des Weiteren ist in der Staatsgalerie ist der Amor und Psyche-Zyklus zu bewundern, ein weltweit bekanntes und häufig porträtiertes antikes Märchen. Es wurde damals als Innenfries und Bildfolge von George Howard in Auftrag gegeben.

Edward Burne-Jones, Der Prinz betritt den Dornenwald, 1869, Öl auf Leinwand , 107 x 183 cm, Houghton Hall Collection
Mit einer der Höhepunkte der Ausstellung und sicherlich eines der Hauptwerke von Burne Jones ist das Rad des Schicksals, “The Wheel of Fortune”. Es erzählt von Fortuna, die das Glücksrad unaufhörlich dreht – und damit impliziert, dass wohl keiner seinem Schicksal entgehen kann.

Edward Burne-Jones/Morris & Co., Der gute Hirte zwschen Samuel und Thimoteus, Entwurf 1870/1880, Ausführung nach 1895, Glasmalerei, 300 x 177 cm, Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Und, last but not least, zur Schau gestellt: die aufwendig gewebten und gestalteten Tapisserien an den Wänden im wunderbaren Absyss und Säulensaal der Staatsgalerie. Sie und die zahlreichen anderen handwerklichen Gegenstände wie die Glasfenster, die großformatigen Bildteppiche, Dekorationsstoffe und Möbel. Sie sind mit viel Liebe und Anmut geformt und von bedeutungsschwangerer Historie getränkt. Und sie stehen als eindeutiges Zeugnis für eine Kunst von religiöser Art in dem damaligen Zustand der Zeit und vor dem 18. Jahrhundert als Background.
Ganz nebenbei beeindruckt die Ausstellung auch durch die behutsamen, auf leisen Sohlen folgenden Studien und Skizzen von Edward Burne Jones. Sie sind mit zarter und bedächtiger Hand gezeichnet, von feinem Ausmaß, detailgetreu und konsequent, um später eindrucksvoll in die entstanden Kompositionen und Gemälde einfließen zu können.
Ein Veranstaltungskalender, der die Ausstellung begleitet, bietet Sonderführungen, Märchen für Kinder, Vorträge in englischer Sprache und Filmvorführungen.



















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