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art Karlsruhe 2010: Vom Geheimtipp zum Pflichttermin

4. März 2010 [ Kein Kommentar ]

Vom Geheimtipp zum Pflichttermin: Über das erste Märzwochenende öffnet die mittlerweile 7. Ausgabe der art Karlsruhe ihre Pforten. Von Wirtschaftskrise ist nichts zu spüren (aber hier müsste man wohl in die Kassen der Galeristen schauen). Die Stimmung jedenfalls war gut, die Besucher kamen schon zur Preview zahlreich. Die Vorlage vom letzten Jahr – der Rekord lag bei über 42.000 Besuchern – dürfte, wenn es so weitergeht, zumindest gehalten werden.

Annett Oehme, Die süßesten Früchte, 2007-09, Plastik mit Häkeltechnik, 49 x 55 x 90 cm

Annett Oehme, Die süßesten Früchte, 2007-09, Plastik mit Häkeltechnik, 49 x 55 x 90 cm, courtesy Galerie Beyer – Galerie für zeitgenössische Kunst, Dresden

Etwas mehr als 200 Galerien sind vor Ort, eine gute Zahl, mehr streben die Messemacher nicht an. Mehr braucht es auch nicht, damit das vielfältige Programm überschaubar und ausgewogen bleibt. Die Hallen sind abwechslungsreich gestaltet, mit den schon etablierten Skulpturenplätzen, um die sich die Kojen sammeln, mit Sitzmöglichkeiten für zwischendurch und Cafés für Kunstpausen – die art lebt auch von dem besonderen Ambiente in den hellen Messehallen in Karlsruhe.

Man wolle die Qualität steigern, in jedem Jahr ein wenig mehr, heißt es aus den Reihen der Messemacher um Ewald Schrade. Und es gelingt ihnen tatsächlich, immer noch ein bisschen drauf zu legen: Konnte man im vergangenen Jahr erstmals alle vier Hallen der dm Arena bespielen, so wurde der eingeschlagene Weg dieses Jahr noch ein bisschen verbessert. Die ARTIMA art meetings, ebenfalls eine Neuerung von 2009, werden wieder durchgeführt ebenso wie die Talkrunden von Monopol. Die Webpräsenz mit Onlinekatalog ist noch übersichtlicher.  Sogar die Bundesankaufskommission will erstmals in Karlsruhe Station machen. Was will man mehr! Dass der praktische Shuttle vom Bahnhof zur Messe jetzt aber kostenpflichtig geworden ist, hat denn doch für einige Verwirrung unter den Besuchern gesorgt.

Yu Yu Chen, Goldfish, 2010, Multimedia Installation

Yu Yu Chen, Goldfish, 2010, Multimedia Installation, courtesy Art Seasons Kunstgalerie, CH

Eine Sonderschau präsentiert „Looping Memories“, eine Auswahl von Arbeiten des Schweizer Videokunst-Sammlerpaars Ketterer/Ertle, das sich bewusst dem vergänglichen filmischen Medium widmet – obwohl und gerade weil es eine besondere Stellung in der sammelbaren Kunst einnimmt: Anders als etwa einem Gemälde oder einer Skulpturen fehlt den Videos die Aura des einzigartigen Originals.

Eine weitere Sonderausstellung ist zeitgenössischer Kunst aus Südafrika gewidmet, ein geografischer Schwerpunkt, der gemeinhin zu kurz kommt in Europa. In Karlsruhe werden Arbeiten aus privaten Sammlungen gezeigt, ausgewählt unter anderem von Peter Herrmann, dessen Galerie sich als eine der wenigen auf zeitgenössische Kunst aus Afrika spezialisiert hat. Zur Preview waren allerdings noch nicht alle Arbeiten an der Wand.

Geografisch bedeutend stärker präsent ist hingegen die Kunst aus Asien, China vor allem und auch Korea. In der Begegnung von Ost und West sind besonders interessante und ungewöhnliche Positionen zu entdecken.

Riusuke Fukahori, Itoshiki-Sui 2009, Öl auf Holz 180 x 500 cm

Riusuke Fukahori, Itoshiki-Sui 2009, Öl auf Holz 180 x 500 cm, courtesy Galerie an der Pinakothek der Moderne, München

Überhaupt – die Hauptakteure der Messe, die Galerien und ihre Künstler: Insgesamt wirkt die art Karlsruhe ein wenig bunter und vielfältiger als zuvor. Die Klassische Moderne ist natürlich nach wie vor vertreten, so steht es ja auch im Programm. Aber es finden sich immer mehr junge, zeitgenössische Positionen, die gerade das Spannende auf dem Kunstmarkt ausmachen.

Besonders offensichtlich wird das in der vierten Halle: Hier ist der Berliner Block vertreten, der 2010 noch größer geworden ist: 14 Galerien des Landesverbands Berliner Galerien präsentieren einen ihrer Künstler. Dabei sind etwa die Circleculture Gallery, Maud Piquion und Janine Bean.

Markus Brenner, Fisch in Jeans, Fotografie, 2005

Markus Brenner, Fisch in Jeans, Fotografie, 2005, courtesy Neue Kunst Gallery, Karlsruhe

smash137, Street-Art in Barcelona, Spraylack auf Außenfläche

smash137, Street-Art in Barcelona, Spraylack auf Außenfläche, courtesy Galerie Aphold, Allschwil/Basel

Immer wieder springen dem Flaneur ungewöhnliche Arbeiten ins Auge: Seien es die angezogenen Fische von Markus Brenner, die nicht mehr nackt schwimmen müssen, ein „Kühlschrank“ der besonderen Art von Marion Eichmann oder die Häkelfiguren von Annett Oehme, der Skulpturenplatz der Karlsruher Ferenbalm-Gurbrü Station, die Installationen von Yuyu Chen oder die Wartenden von Christine Reinckens, Tütenkunst von Thitz, Street Art von smash 37 oder El Bocho,

Ein ganz besonderes Statement zur aktuellen Situation im heimischen Stuttgart ist dabei der Galerie Valentien mit einer Arbeit der Filderbahnfreunde gelungen: Das Poster gab es gleich zum Mitnehmen …

Filderbahnfreunde, Stuttgart 21, 2010, Galerie Valentien, Foto: S. K.

Filderbahnfreunde, Stuttgart 21, 2010, Galerie Valentien, Foto: S. K.

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Autor/in: Simone Kraft Bilder: die genannten Galerien, S. K. Abo: RSS-Feed | Mehr...


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