Gordon Matta-Clark: „Office Baroque“ in Berlin
Mit dokumentarischen Arbeiten zu Gordon Matta-Clarks außergewöhnlichem Projekt „Office Baroque“ in Antwerpen im Jahr 1977 widmet die Galerie Thomas Schulte dem 1943 in New York geborenen Amerikaner die insgesamt sechste Einzelausstellung seit 1994. Dazu gehörten „Bingo“, „The City as Resource“, „The Complete Films“ und „Notebook Drawings“.
„Office Baroque“ war die vorvorletzte Arbeit des 1978 früh verstorbenen Künstlers, die sicherlich zu seinen spektakulärsten Projekten zählt. Bereits 1977 sicherte sich Matta-Clark in Zusammenarbeit mit dem einflussreichen belgischen Kurator und Museumsgründer Florent Bex ein leer stehendes fünfstöckiges Antwerpener Bürogebäude für dieses Cutting. Inspiriert von den sich überlappenden Ringen, die eine Teetasse auf einer Zeichnung hinterließ, organisierte er ein lyrisches Aufschneiden des Gebäudes um zwei Halbkreise, die sich rhythmisch durch Wände und Stockwerke bogen und deren Schnittmenge die Form eines Ruderboots annahmen.
Matta-Clark bezeichnete diese Arbeit als „einen Spaziergang durch eine panoramische Arabeske“. Wie all seine Eingriffe und Dekonstruktionen kann auch „Office Baroque“ als skulpturale Geste aufgefasst werden, die das Gebäude selbst in ein Kunstwerk verwandelte, das völlig neue Einblicke in ein Stück urbane Landschaft ermöglichte. Einige der planvoll ausgeschnittenen Elemente – Teile des Dachs, der Decken und Wände – wurden selbst zu Skulpturen.
Um der Vergänglichkeit seines Werks entgegenzuwirken (das Gebäude wurde noch im gleichen Jahr abgerissen) dokumentierte Matta-Clark die entstandenen Raumbezüge fotografisch und collagierte quasi-kubistische Abbilder von deren Dynamik in zahlreichen Cibachromen. Sie bilden auch den Kern der Exponate in der aktuellen Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit Florent Bex zustande kam und fast ausschließlich aus Leihgaben aus belgischem Museums- und Privatbesitz besteht, ergänzt durch einige Stücke aus dem Nachlass des Künstlers. Weiterhin sind wichtige Ideenskizzen sowie ein Dokumentarfilm zu sehen, der das Projekt ebenso wie seine Entstehung intensiv veranschaulicht.
Gordon Matta-Clark wurde 1943 in New York geboren. Er studierte Architektur und Kunst an der Cornell University und an der Sorbonne in Paris. Neben den Situationisten um Guy Debord hatte der nach Jacques Derrida geprägte Dekonstruktivismus einen weiteren großen Einfluss auf sein Werk als Konzeptkünstler. Während der Ausstellung „Earth Art“ in Cornell im Jahr 1969 lernte er den amerikanischen Landart-Künstler Robert Smithson kennen. Seit dieser Begegnung wandte er sich von der traditionellen, auf nur ein einziges Medium bezogenen Kunstproduktion ab und der Multimediakunst zu.
Vor allem durch seine Cuttings entstand eine Werkgruppe, die auch als Anarchitektur bezeichnet wird. Ein Wortspiel, das den permanenten Widerstand des Künstlers gegen eine konservative Architektur dokumentiert, die dem Experiment kaum Raum ließ. Gordon Matta-Clark hat so als visionärer Avantgardist einer Architektur der Dekonstruktion den Weg geebnet.
Bedeutende Einzelausstellungen von Matta-Clark, der 1978 in New York starb, waren im Rahmen der Paris Biennale (1975), im Museum of Contemporary Art in Chicago (1977, 1978, 1985), im Stedelijk Museum in Amsterdam (1986) und in der Reina Sofia in Madrid (1997, 2006) zu sehen. In Gruppenausstellungen sah man seine Arbeiten u.a. im Museum of Modern Art, New York (1971), auf der Documenta (1972, 1977), im P.S.1 in New York (1976), im Moderna Museet in Stockholm und im Museum of Contemporary Art in San Francisco (1993, 1999), in der Hamburger Kunsthalle (2000) sowie in der Tate Modern in London und im Musée National d’Art Modern in Paris (2005). Zu den zahlreichen Preisen, die Gordon Matta-Clark noch zu Lebzeiten verliehen bekam, gehört das Guggenheim Foundation Fellowship (1977) und das National Endowment for the Arts Fellowhip Theodoron (1975).
Die Ausstellung Gordon Matta-Clark: „Office Baroque“ wurde in der Galerie Thomas Schulte im Rahmen des Gallery Weekend Berlin am Eröffnungswochenende der 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst eröffnet und ist bis zum 31. Juli 2010 zu sehen.

















Super Tips für aktuelle Berliner Kunstausstellungen von den Sounds-like-me Autoren gibt’s auf http://www.sounds-like-me.com/news/eroffnungssport-%E2%80%93-viel-bildhauerei-wenig-malerei/
Schreiben Sie Ihre Meinung!