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Wiederkehr in neuem Gewand

17. Juni 2010 [ Kein Kommentar ]

Es kommt alles wieder, in neuem Gewand. So zu sehen in Dorothee Golz’ erster Einzelausstellung Jeans-Madonna in der Galerie Charim Ungar Berlin. In ihren digitalen Gemälden kombiniert die Künstlerin altmeisterliche Gesichter mit zeitgenössischen Körpern und inszeniert sie detailreich in modernen Räumen.

Dorothee Golz - Jeans-Madonna, 2007, C-Print / Diasec, 126,5 x 100 cm, Edition von 7, Courtesy the artist / Charim Ungar Berlin

Dorothee Golz: Jeans-Madonna, 2007C-Print / Diasec, 126,5 x 100 cm, Edition von 7Courtesy the artist / Charim Ungar Berlin

Seit 2005 erarbeitet Dorothee Golz eine Serie Fotografien, die mit bekannten Renaissanceportraits spielen und die weit mehr sind als meisterhaftes Photoshopping. Zwar wirken die überwiegend weiblichen Portraits der malerischen Ikonen museal vertraut und eben deshalb magisch attraktiv, gleichsam irritieren sie den Betrachter, weil etwas nicht zu stimmen scheint. Bei näherem Hinsehen wird jedoch klar: gerade weil sich alle Details harmonisch ineinander fügen, verliert sich die präzise Erinnerung an die kunsthistorischen Originale und ihre Wiederkehr in zeitgenössischen alltäglichen Situationen reflektiert den hinterfragenden Blick der Künstlerin in Bezug auf gesellschaftlich überlieferte Rollenmodelle und deren ikonografische Darstellung.

Am Beispiel Der Perlenohrring (2009) wird sehr schön deutlich, dass Golz’ Interesse in erster Linie nicht der historischen Figur gilt. Sie sei vielmehr fasziniert davon, „ein Gesicht, das vor 500 Jahren gesehen worden ist, in die Gegenwart zu versetzen.“ Vermeer van Delfts Das Mädchen mit dem Perlenohrring (1665) kommt ohne narrative Elemente aus, die über das Portrait der jungen Frau hinausgehen. Ihre Augen ziehen den Blick des Betrachtes unmittelbar an und lenken ihn auf die natürliche Schönheit ihres ebenen Gesichts, die vom schimmernden Glanz ihres Perlenohrrings diskret pointiert wird.

Dorothee Golz - Der Perlenohrring, 2009, C-Print / Diasec, 188 x 140 cm, Edition von 7, Courtesy the artist / Charim Ungar Berlin

Dorothee Golz: Der Perlenohrring, 2009C-Print / Diasec, 188 x 140 cm, Edition von 7Courtesy the artist / Charim Ungar Berlin

Dorothee Golz versetzt die gleiche junge Frau in eine fotografierte malerische Alltagsszene, die das eigene Erleben des Hier und Jetzt unmittelbar mit einbezieht: Vor requisitenreicher Kulisse wendet sich die Schöne in modischen Röhrenjeans wie im Gespräch dem Betrachter zu, während sie gerade dabei ist, für beide eine Tasse Tee einzugießen. Einzig die fremdartige Kopfbedeckung erinnert an ein Bild aus einer vergangenen Epoche. Doch der friedlich unterm Tisch dösende Labrador bestätigt die Vertrautheit einer Szenerie, die jeder von uns so oder ähnlich schon einmal erlebt haben könnte. Alles erscheint natürlich, nichts Gekünsteltes haftet dieser Szene an, und auch der Fotografenkoffer im Hintergrund weist darauf hin, dass dieses Bild nicht in einem Studio nachgestellt wurde, sondern mitten aus dem Leben stammt.

Wie mühelos die beiden Medien Fotografie und Malerei in Dorothee Golz’ Bildern ineinander greifen, wird in ihrer Ausstellung Jeans-Madonna eindrucksvoll deutlich. Es sind einerseits die technischen Möglichkeiten der elektronischen Bildbearbeitung, die der Fotografie den Charakter des Gemalten verleihen, andererseits machen akribische Gestaltung, Lichtführung und die Semantik der ausgewählten Bildelemente die Komposition der Fotografien jene der Malerei gleichrangig. Insbesondere die Komposition ist für die Künstlerin so bedeutend, dass sie nichts dem Zufall überlässt. Sei es ein Gesichtsausdruck, der in den alten Gemälden förmlich und sittsam wirkt und den sie mit moderner Körperhaltung und Kleidung zu einem zeitgenössischen Portrait ergänzt, sei es Schmuck, den sie teilweise anfertigen lässt, um ihn auf einem fotografierten Körper nicht wie gemalt aussehen zu lassen – Golz schenkt jedem Detail ihr unbedingtes Augenmerk.

Neben ihren digitalen Gemälden sind auch Werke ihres skulpturalen Schaffens in der Ausstellung zu sehen. Die Spannung zwischen körperlich und nicht-körperlich, das Vergängliche in den Objekten, die räumliche Konstruktion sind wesentliche Aspekte ihrer Arbeit. So geht sie etwa mit dem Objekt Diese Tasse ist eine Tasse, keine Tasse sichtlich über die kunsthistorischen Referenzen hinaus und nimmt Bezug auf die Bedeutung des Raumes in ihren Werken: „Der Raum ist die Sphäre, wo etwas, das als abstrakter Gedanke entstanden ist und bislang keine Entsprechung in unserer physischen Wirklichkeit hatte, eine körperliche Form bekommen kann, und wo wir den physisch vorhandenen Dingen eine Bedeutung geben. Es ist der Ort, an dem sich Vorstellungen verwirklichen können – ein Ort voller Möglichkeiten.“

Jeans-Madonna, die erste Einzelausstellung von Dorothee Golz in der Galerie Charim Ungar Berlin wurde vergangenen Freitag eröffnet und ist noch bis zum 30. Juli 2010 zu sehen.

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Autor/in: Klaus-Dieter Knoll Quelle & Bilder: Charim Ungar Berlin Abo: RSS-Feed | Mehr...




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